Deutschland
Isolationspflicht

Das Für und Wider der Isolationspflicht: Jetzt äußert sich Virologe Streeck

Der Virologe Hendrik Streeck sprach in einem Interview von "sinnvollen Argumenten gegen die Isolationspflicht". Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz sprechen sich gegen den Vorstoß aus.
Virologe Streeck
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hält die Isolationspflicht weiterhin für sinnvoll, Virologe Hendrik Streeck sieht "sinnvolle Argumente gegen die Isolationspflicht". Foto: UKB / Johann Saba/UKB / Johann Saba/obs
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Was passiert mit der Isolationspflicht bei einer Corona-Infektion? Virologe Hendrik Streeck erklärte in einem Interview mit dem Fernsehsender "NTV" dass er "sehr gute Argumente für - und gegen das Aufheben einer Isolationspflicht" sehe. Am Samstag, 23. Juli 2022, hatte sich bereits der Chef der Bundesärztlichen Kassenvereinigung, Andreas Gassen, für eine Aussetzung der Quarantänepflicht ausgesprochen. 

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) reagierte auf die Aussagen von Gassen und erklärte: "Hinter der Diskussion um die Abschaffung der Pflichtisolation, den Verzicht auf Schutzmaßnahmen oder auf eine vierte Impfung steckt die These, dass eine Infektion besser ist als eine Impfung", so Lauterbach.

Ist ein Ende der Corona-Isolationspflicht sinnvoll? 

Zudem habe er "nie behauptet, dass wir im Herbst 60 Millionen Menschen impfen müssen." Jedoch sei es "nicht hilfreich, wenn ein wichtiger Ärztefunktionär betont, er werde sich im Herbst nicht impfen lassen", schrieb Lauterbach am 23. Juli 2022 auf Twitter.  Im Anschluss an die Aussagen von Gassen hatten sich Politiker der FDP ebenfalls für das Ende der Corona-Isolationspflicht ausgesprochen.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki, halte eine "Diskussion darüber" für richtig, wie er den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Montag, 25. Juli 2022, mitteilte. "Aus meiner Sicht ist es sowohl epidemiologisch als auch aus Gründen der Eigenverantwortung überfällig, den Menschen diese Entscheidung wieder zu überlassen – so, wie es andere europäische Länder schon längst getan haben."

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, hält dagegen: "Die Isolation schützt. Denn so wird verhindert, dass sich andere anstecken." Ein Blick auf Long- und Post-Covid-Leiden alleine reiche seiner Meinung nach, um die Isolation weiter zu befürworten. Bei einer Aufhebung spiele man "mit der Gesundheit der Menschen".

Deutschland "nicht länger in der Phase des Containments"

Streeck argumentierte bei NTV, man befinde sich nicht länger "in der Phase der des Containment, also der Eindämmung der Infektion". Es müsse also nicht länger versucht werden, jede einzelne Infektion zu erkennen, zu vermeiden. "Unser Anspruch muss im Moment sein, dass wir vor allem die vulnerablen Gruppen schützen und dort alle Infektionen so gut es geht vermeiden."

Laut Streeck könne das ab besten durch eine breite Impfkampagne einer vierten Corona-Impfung im Herbst und Winter erreicht werden. Indes herrsche derzeit bereits eine hohe Dunkelziffer an Corona-Infektionen, die sich nicht an die Isolationspflicht halte. "Im Moment müssen wir damit rechnen, dass mindestens doppelt so viele, wenn nicht sogar mehr Infektionen als gemeldet zu zählen sind", sagte Streeck. Insofern gewinne man mit einer Isolationspflicht nur noch sehr wenig. 

Aktuell gilt die Isolation für Corona-Infizierte. Nach fünf Tagen Isolation kann die Isolation mit einem negativen Test, der "dringend empfohlen" werde, enden.