In vielen Bundesländern ist es selbst inzwischen selbstverständlich, dass man auch am späteren Abend noch im einkaufen gehen kann. Supermärkte haben bis 22 Uhr und teilweise sogar noch darüber hinaus geöffnet. Doch die stark gestiegenen Energiepreise setzen den Einzelhandel unter Druck, lassen die Betriebskosten in die Höhe schießen. Noch dazu kommt der Personalmangel, unter dem viele Supermarkt-Filialen leiden.

Der Chef eines großen deutschen Einzelhandelsunternehmens hat daraus nun Konsequenzen gezogen. Thomas Gutberlet, Geschäftsführer der Supermarkt-Kette Tegut, hat laut Bericht der Lebensmittelzeitung  einen Brief an die Regierungen aller 16 Bundesländer verfasst. Darin plädiert er für eine deutschlandweite Verkürzung der Ladenöffnungszeiten.

Tegut-Chef will Diskussion um kürzere Ladenöffnungszeiten entfachen

Seinen Vorschlag begründet er mit möglichen Kosteneinsparungen und besseren Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten: "Kurzfristig würde eine Reduzierung helfen, Energie zu sparen. Langfristig würde es das Berufsbild im Einzelhandel wieder attraktiver machen", so der Tegut-Chef.

Konkreter wird Gutberlet noch nicht. Gegenüber der Lebensmittelzeitung erklärte er, es ginge ihm grundsätzlich darum, die Debatte um die Ladenöffnungszeiten wieder in Gang zu bringen und "mit der Öffentlichkeit neu zu verhandeln." Eine Orientierung könne aber das bayerische Ladenschlussrecht liefern.

Die Entscheidung über die Ladenöffnungszeiten ist seit 2006 Ländersache. In Bayern etwa müssen die meisten Geschäfte montags bis samstags spätestens um 20 Uhr schließen. Eine Ausnahme gilt nur für Kleinstsupermärkte, die ohne Personal auskommen - die sogenannten 24-Stunden-Märkte.

Auch ohne allgemein gültigen Beschluss haben einige Supermarkt-Betreiber bereits auf die Personalnot reagiert und auf kürzere Öffnungszeiten umgestellt. In Baden-Württemberg etwa schließt der Eigentümer von 16 Edeka-Filialen seine Märkte nun jeden Mittwoch um 13 Uhr statt bislang 20 Uhr. Andere Lebensmittelgeschäfte - so auch in Franken - haben ebenfalls bereits Konsequenzen gezogen und die Öffnungszeiten der Frischetheken reduziert. Ein Edeka-Markt in Nordrhein-Westfalen hatte zuletzt außerdem mit einer kuriosen Werbe-Kampagne gegen den Personalmangel von sich reden gemacht.