Die Stadttaubenhilfe Weimar ist am Samstag (18. September 2022) darüber informiert worden, dass am Rande eines Dorfes im Saale-Holzland-Kreis die Überreste von über 80 geköpften Brieftauben und Taubenküken abgelegt wurden. Das geht aus einer Pressemitteilung des Vereins Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V. hervor.

Eine Vereinsvertreterin fuhr sofort zum Fundort, nahm die toten Tiere in Augenschein und machte Fotos. Dabei fielen ihr drei blaue Brieftaubenringe auf. Nach Angabe des Suchmoduls des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter stammen diese von einem Brieftaubenverein in der Nähe des Fundorts. Einige Tiere waren außerdem mit grünen Nummerierungsringen (Clipringen) versehen, die online erworben werden können. Neben den Ringen sprechen auch körperliche Merkmale der Tiere dafür, dass es sich um Brieftauben handelt.

Über 80 enthauptete Tiere im Saale-Holzland-Kreis entdeckt

Schon nach der Abfahrt vom Fundort erhielt die Tierschützerin einen Anruf des Vorsitzenden des lokalen Züchtervereins auf ihrem Privathandy, obwohl sie ihre Nummer nur an die Polizei weitergegeben hatte. Dieser sagte aus, die Nummern der toten Tiere seien nicht registriert. In der Folge machte er die widersprüchliche Aussage, dass er schon mit seinem „Sportsfreund“ gesprochen habe. Später versuchte er zu überzeugen, dass die Tiere wahrscheinlich Zuflieger eines privaten Taubenhalters seien. Er habe eine polnische Brieftaube sowie eine weitere deutsche Brieftaube von einem anderen Züchter vorgefunden. Ein Brieftaubenzüchter sei, nach seiner Aussage, niemals in der Lage, etwas so Herzloses und Grauenvolles zu tun.

Auch die Polizei machte sich ein Bild vor Ort, verzichtete aber auf die Aussage der Zeugin. Eine schriftliche Aussage an die zuständige Beamtin reiche aus. Am nächsten Tag lagen die Tauben noch immer am Fundort. Allerdings waren die Beine der beringten Tauben durchtrennt und die Ringe entfernt worden. Der Verein Stadttaubenhilfe Weimar e.V. und der Bundesverband Menschen für Tierrechte erstatten jetzt Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sowie wegen des Verstoßes gegen das "Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz".

"Wir erwarten eine lückenlose Aufklärung sowie eine konsequente Bestrafung. Die grausame Tötung wehrloser Haustiere ist kein Kavaliersdelikt. Wenn sich herausstellt, dass sich ein Züchter auf diese Art seiner nicht mehr erwünschten Brieftauben entledigt hat, ist die ohnehin skandalöse Auszeichnung des Brieftaubenwesens als Kulturerbe erst recht nicht haltbar", so Dr. Claudia Gerlach, Fachreferentin beim Bundesverband Menschen für Tierrechte. Der Verein hat vor Kurzem eine Petition gegen die Anerkennung des Brieftaubenwesens als immaterielles Kulturerbe gestartet.

"Wir erwarten eine lückenlose Aufklärung"

Menschen, die Hinweise zu dem Besitzer der grün-beringten Tauben geben können, werden gebeten, sich an Stadttaubenhilfe-Weimar@gmx.de zu wenden.