Kliniken sollen neue verpflichtende Vorgaben für eine bessere Besetzung mit Pflegekräften bekommen. Darauf zielen Pläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, die das Kabinett am Mittwoch (14. September 2022) beschlossen hat. Die Kritik daran ließ jedoch nicht lange auf sich warten.

Eine angemessene Personalausstattung sei essenziell für die Qualität der Patientenversorgung und auch für die Arbeitssituation der Pflegekräfte, sagte der SPD-Politiker. Konkret soll eine Methode zur Personalbemessung auf den Stationen eingeführt und ab 2025 Pflicht werden. Krankenkassen und Kliniken kritisierten den Gesetzentwurf, der nun noch in Bundestag und Bundesrat kommt.

Lauterbach stellt neues Gesetz für Kliniken vor: Was ist geplant?

Lauterbach sagte: "Wir brauchen ein Umdenken in der Klinikbranche." Pflegekräfte seien extrem belastete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für viele gehörten Wochenenddienste, Schichtwechsel und unterbesetzte Stationen zum Arbeitsalltag. "Nur wer sie gut bezahlt, Überstunden ausgleicht, ihre Stationen gut besetzt, wird am Arbeitsmarkt Pflegekräfte halten oder neue gewinnen."

Krankenhäuser sollen über das Gesetz verpflichtet werden, mit einer ausreichenden Zahl von Pflegekräften zu arbeiten, wie das Ministerium erläuterte. Um die Situation mittelfristig zu verbessern, sollen "Idealbesetzungen" für Stationen errechnet und durchgesetzt werden. Umgesetzt werden soll dies über ein Instrument zum Ermitteln des Personalbedarfs, das mit Beteiligten der Branche entwickelt wurde.

Lauterbach machte auf Nachfrage deutlich, dass er nicht die Gefahr von Stationsschließungen wegen fehlender Pflegekräfte sieht. Es könne sein, dass planbare Eingriffe nicht gemacht werden könnten - sie wären dann aber auch sinnvoll, wenn zu wenig Pflegekräfte da sind. Insgesamt solle die Bindung von Pflegekräften an die Kliniken aber gestärkt werden. Es gehe um "eine Spirale, die sich nach oben dreht".

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Eine schrittweise Einführung der Personalbemessung ist ab 1. Januar 2023 zunächst in ausgewählten Kliniken geplant. Auf dieser Basis soll eine Verordnung mit Vorgaben dazu folgen. Von 2025 an soll die Personalbemessung dann "scharf gestellt" und sanktioniert werden.

Kritik an Personalbemessung von mehreren Seiten

Die Techniker Krankenkasse bezeichnete die geplante Personalbemessung als puren Aktionismus. "An der Qualität der Pflege ändert sie nichts. Sie schafft aber viel unnötige Bürokratie", sagte Vorstandschef Jens Baas der Deutschen Presse-Agentur. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) warnten vor zusätzlichen Mehrausgaben in unkalkulierbarer Höhe. Der Verband der Universitätsklinika forderte eine "echte Reform". Mit der Personalbemessung werde lediglich der bekannte Fachkräftemangel dokumentiert, aber kein zusätzliches Personal gewonnen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz erklärte, eine angemessene Personalausstattung sei unerlässlich für eine Würde wahrende Krankenpflege. "Dieses Prinzip muss aber auch bei Versorgung der 810.000 Pflegeheimbewohner gelten", sagte Vorstand Eugen Brysch der dpa. Doch dazu gebe es keine Initiative der Bundesregierung, und die Betreuung in der Langzeitpflege werde immer prekärer.

Bayern plant dagegen, mit einer neuen Werbekampagne mehr Menschen für einen Pflegeberuf zu begeistern. "Unter dem Motto ,Neue Pflege – Eine Ausbildung. Mehr Möglichkeiten' zeigt unsere Kampagne, wie herausfordernd, aber auch abwechslungsreich und spannend der Pflegeberuf ist", sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Mittwoch bei der Auftaktveranstaltung in München. Er verwies darauf, dass die Ausbildungsgänge Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege 2020 zur generalistischen Pflegeausbildung zusammengeführt wurden.

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Ergänzend zur beruflichen Pflegeausbildung sei zudem die Grundlage für einen primär-qualifizierenden Pflegestudiengang geschaffen worden, für den Bayern ab dem kommenden Wintersemester ein Stipendienprogramm ins Leben gerufen hat.

In der Pflege gibt es seit Jahren einen sich verschärfenden Fachkräftemangel. Wegen der teils unattraktiven Arbeitsbedingungen, hohen Belastungen und der aus der Sicht vieler Kritiker nicht angemessenen Bezahlung ist die Suche nach Auszubildenden wie ausgebildeten Kräften nicht nur in Bayern oft ein großes Problem.

Bayern will Azubis leichteren Zugang gewähren

Generalistische Pflege bedeutet, dass Auszubildende zur Pflege von Menschen aller Altersstufen und in allen Versorgungsbereichen befähigt werden. So erhalten Azubis und Studierende die Möglichkeit, mit nur einer Ausbildung oder einem Studium alle Berufswege zu beschreiten. "Dank besserer Anleitung und Begleitung profitieren sie von einer deutlich höheren Ausbildungsqualität", sagte Holetschek.

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Weiter: "Pflege ist ein erfüllender und für die Gesellschaft ein essenzieller Beruf. Qualifizierte Fachkräfte für die Pflege zu gewinnen und auch zu halten, gehört für mich zu den zentralen Aufgaben einer zukunftsfähigen Gesundheitspolitik."

Die Kampagne soll überwiegend in den Sozialen Medien, insbesondere auf Instagram über @neuepflege.bayern beworben werden, geplant sind aber auch Großflächenplakate und Zeitungsanzeigen. "Wir konzentrieren uns aber nicht nur auf die Jüngeren. Auch Quereinsteiger sind bei der Ausbildung der generalistischen Pflege willkommen", sagte Holetschek.

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