Die Corona-Pandemie hat die Krankenhäuser in Deutschland an die Belastungsgrenze gebracht - vielerorts fehlt Personal, die finanzielle Lage ist angespannt. Doch mit dem russischen Angriff auf die Ukraine verschärfen sich die Probleme nochmals: Zu der angespannten Lage kommen Probleme durch teils massiv gestiegene Material- und Energiekosten.  Die Lage sei "kaum noch zu bewältigen, heißt es beispielsweise aus dem Klinikum in Bamberg.  Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek sieht viele Krankenhäuser in einer existenzbedrohenden Lage - und macht Berlin für fehlende Hilfen verantwortlich.

Nun will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in den kommenden Tagen mit den Bundesländern über eine Entlastung der Krankenhäuser sprechen. Es gehe dabei um die Herausnahme von Kinderkrankenhäusern aus den Fallpauschalen, um eine bessere Versorgung in der Geburtshilfe und die Erbringung von Leistungen in Kliniken, ohne dass Patienten übernachten müssten, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend im ZDF-"heute journal". "Das setzt natürlich Pflegekräfte frei."

Lauterbach will Krankenhäuser personell und finanziell entlasten

Es gebe in Deutschland 50 Prozent mehr stationäre Aufnahmen als in den umliegenden Ländern, ohne dass dies die Qualität der Versorgung verbessere, sagte Lauterbach. Es werde viel stationär gemacht, was eigentlich ambulant gemacht werden könnte ohne Übernachtung. "Das ist eine große Reserve", so Lauterbach. Am Montag tagt die Gesundheitsministerkonferenz der Länder.

Hinzu komme eine große Reform, um die Fallpauschalen zu überwinden, kündigte Lauterbach an. Mit diesen Pauschalen werden definierte Behandlungen mit einer bestimmten Vergütung unterlegt. Über Jahre sei hier nichts passiert. Dadurch entsprechen die Pauschalen nicht mehr den tatsächlichen Kosten - besonders in Zeiten hoher Inflation. 

Die Reform will Lauterbach innerhalb der nächsten zwei Monate vorstellen. Eine zuständige Kommission habe dazu mehr als 40 Mal getagt.

Lauterbach beklagte zudem, dass Deutschland zu wenige Ärzte habe. Die Zahl der Medizinstudenten müsste um bis zu 5000 pro Jahr erhöht werden. Es gebe nicht genügend Ärzte für die anstehende "Bedarfswelle", wenn nämlich die Babyboomer alt werden. Die Frage der teuren Ausbildung müsse mit den Bundesländern entschieden werden.