Frankfurt am Main
Finanzen

So teuer war die Finanzkrise für die deutschen Steuerzahler - Finanzpolitiker: "Längst noch nicht vorbei"

Die Folgen der Finanzkrise sind auch nach zehn Jahren noch zu spüren. Bislang hat die Krise den deutschen Steuerzahler eine zweistellige Milliardensumme gekostet. Der profilierte Finanzpolitiker Gerhard Schick sagt: "Die Krise ist noch nicht vorbei".
15.09.2008, Hessen, Frankfurt am Main. Ein Händler steht an der Börse vor der Dax-Kurve. Die Finanzkrise in den USA hatte sich an diesem Montag dramatisch zugespitzt und Schockwellen an den weltweiten Börsen ausgelöst. Der Dax fiel damals unter 6000 Punkte. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
15.09.2008, Hessen, Frankfurt am Main. Ein Händler steht an der Börse vor der Dax-Kurve. Die Finanzkrise in den USA hatte sich an diesem Montag dramatisch zugespitzt und Schockwellen an den weltweiten Börsen ausgelöst. Der Dax fiel damals unter 6000 Punkte. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Die Finanzkrise hat die Steuerzahler in Deutschland bislang eine zweistellige Milliardensumme gekostet. Bis Ende vergangenen Jahres summierten sich die Kosten auf 59 Milliarden Euro, doch das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Zahlen der Bundesregierung zeigen, dass die Krise wohl mehr als 68 Milliarden Euro kosten wird. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ) unter Berufung auf Daten der Bundesregierung, die aus einer Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen hervorgehen, die der Zeitung vorliege.

Schick: Auch steigende Mietpreise sind Folgen der Finanzkrise

Vor zehn Jahren drohte mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers ein Zusammenbruch des Finanzsystems, in der Folge kam es zur Euro-Schuldenkrise. Mit Blick auf den zehnten Jahrestag des Lehman-Schocks betonte Grünen-Politiker Gerhard Schick: "Die Finanzkrise ist längst nicht vorbei, sie kommt nur immer stärker in neuem Gewand daher und zeigt sich beispielsweise durch steigende Mieten und sinkende Renditen der Lebensversicherung."

Mit den neuen Zahlen werde nun erstmals sichtbar, wie stark die Bürger in Deutschland von der Krise finanziell belastet worden seien. "Eine vierköpfige Familie hat mehr als 3000 Euro für die Pleitebanken bezahlt", sagte Schick der SZ.

Finanzpolitiker Schick verlässt den Bundestag - um für Finanzwende zu kämpfen

Schick (46) gilt als einer der profiliertesten Finanzpolitiker der Bundesrepublik. Er ist seit 2005 im Bundestag - verlässt diesen jedoch zum Jahresende, um außerparlamentarisch für die "Bürgerbewegung Finanzwende" zu kämpfen. Das teilte er am Mittwoch mit. Schon seit Jahren kritisiert Schick die Regierung für eine viel zu lasche Regulierung der Banken nach der Finanzkrise.

"Über Jahrzehnte hat sich die Finanzindustrie immer mehr Einfluss erkauft. Gleichzeitig weichen ihre kurzfristigen Profitinteressen zunehmend von gesamtgesellschaftlichen Zielen ab", kritisiert die von Schick begründete Bewegung. Statt die Krisenursachen zu beheben, hätten sich die Regierungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in das Klein-klein ineffizienter Regulierung gestürzt. Schick hat für die Grünen einen Zehn-Punkte-Plan erarbeitet, darunter die Pflicht für Banken, ihre finanziellen Reserven zu erhöhen und eine Finanztransaktionssteuer, damit nicht wieder die Bürger bei neuen Schieflagen geradestehen müssen. Gegen die Koalitionsmehrheit von Union und SPD wird der Plan aber nicht durchsetzbar sein - Schick wird nun außerhalb des Parlaments für eine Finanzwende kämpfen.

Die Grünen-Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter lobten Schicks "unschätzbaren Sachverstand". Er lege den Finger in die Wunde, wo das Finanz- und Wirtschaftssystem aus dem Gleichgewicht gerate. Die Fraktion sei ihm zu großem Dank verpflichtet. "Die Ziele dieser wichtigen neuen Bürgerbewegung teilen wir", schrieben sie. ak/dpa