Nach dem warmen Oktober und milden November kommt eine ordentliche Abkühlung im Dezember. Ob es nach den zaghaften ersten Schneefällen auch eine weiße Weihnacht geben wird? Eine hundertprozentige Prognose trauen sich die Meteorologen derzeit noch nicht zu - auch wenn es jetzt schon günstige Modelle gibt und die Ausgangswetterlage deutlich besser ist als in den Vorjahren, wie Meteorologe Dominik Jung erklärt. Es soll "so winterlich werden wie seit 12 Jahren nicht". Einer der Faktoren, die diese Hoffnung noch zerstören könnte, ist jedoch das Wetter-Phänomen "La Niña".

Dabei handelt es sich um ein bestimmtes Hochdruckgebiet über dem Pazifik. Es taucht im Durchschnitt alle drei bis vier Jahre auf. Das Hoch sorgt dafür, dass kalte Luft nach Nordamerika fließt und dabei immer wieder den Jetstream blockiert. Der Jetstream ist wie ein Luftstrom, der sich um die ganze Erde zieht.  Diese Blockade löst wiederum eine Art Wellenbewegung aus, die auch wir zu spüren bekommen. Denn während die Kaltluft über den Atlantik geschoben wird, fließt im Gegenzug warme Luft nach Mitteleuropa.

Schneit es dieses Jahr an Weihnachten?

So eine Welle entsteht jedes Mal, wenn sich La Niña aufbaut. Dann dauert es ein paar Tage und die Temperaturen in Deutschland steigen plötzlich wieder. Einige Modelle weisen darauf hin, dass auch die erste Dezember-Hälfte durch La Niña mild bleiben könnte.

Wie der Meteorologe Dominik Jung erklärt, gibt es allerdings noch große Unsicherheiten bei den Modellen. Ob es in Richtung Weihnachten zu einer erneuten Wärme-Welle kommt, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Die Wintersonnenwende am 21. Dezember kann La Niña zum Beispiel beeinflussen. Sie verändert den Strahlungshaushalt der Erde und somit auch das Wetter.

Auch der Polarwirbel spielt eine wichtige Rolle. Dieser hält die extrem kalte Luft in der Regel über dem Nordpol. Der Polarwirbel kann aber auch gestört werden, zum Beispiel in dem die Luftmassen vom Nordpol weggeschoben oder geteilt werden. Das sorgt auf der Nordhalbkugel für einen heftigen Kälteeinbruch. La Niña kann so eine Störung verursachen. In der Vergangenheit kam es schon öfters zu Kälteausbrüchen in La-Niña-Jahren. 

Schnee-Prognose für Dezember: Das sagen Meteorologen

Aber Vorsicht: Kälte heißt nicht automatisch Schnee, dazu braucht es auch Niederschlag. "Gibt es weiße Weihnachten? Das ist alles noch total off", fasst Jung zusammen. Das letzte weiße Weihnachtsfest in ganz Deutschland sei im Jahr 2010 gewesen. "Nach 12 Jahren wäre Schnee zum Fest eigentlich mal wieder fällig, doch das Wetter hält sich nicht an Statistiken oder Kalender."

Der Meteorologe Björn Alexander zeigt sich in seiner Prognose dennoch optimistisch: Der November sei zwar deutlich zu trocken, doch "Hoffnung macht dagegen der Dezember." Hier sehe es nach einem durchschnittlichen Monat aus, was den Niederschlag angeht. Mit übermäßigen Niederschlägen sei nicht zu rechnen, aber die Abweichungen seien deutlich besser ausgefallen, als bei vorigen Berechnungen, so Alexander. Auch bei den Temperaturen wurde das US-Modell bereits nach unten korrigiert. Statt einem viel zu warmen Dezember, der drei bis vier Grad über dem Durchschnitt liegt, wird nur noch von einer Abweichung um 0,5 bis 1 Grad ausgegangen.

Fallen die Niederschläge also auch noch mit einem Kältesturz zusammen, stehen die Chancen auf Schnee im Dezember gar nicht mal so schlecht. Jetzt heißt es abwarten, ob uns La Niña und ihre warmen Luftmassen nicht doch noch einen Strich durch die Rechnung machen.