Deutschland
Kfz-Regionalklassen

Kfz-Versicherung wird umgestellt: Millionen Autofahrer müssen mehr zahlen

Die Regionalklassen der Kfz-Versicherung wurden auch in diesem Jahr angepasst. Für Millionen Autofahrer bedeutet das, dass sie künftig mehr Geld für die Versicherung ihres Fahrzeugs zahlen müssen. Fast ein Viertel wurde höher eingestuft.
Kfz-Haftpflichtversicherung - Neue Regionalklassen berechnet
Die Versicherungswirtschaft hat die für Autobesitzer wichtigen Regionalklassen neu berechnet. Foto: stevebp/Zacharie Scheurer/dpa/pixabay

Wichtige Änderung für Autofahrer bei der Kfz-Versicherung: Was Versicherungsunternehmen für Haftpflicht, Teil- und Vollkasko verlangen, ist von vielen Faktoren abhängig. Einer von ihnen ist die sogenannte Regionalklasse. Für 412 Bezirke in Deutschland wird dabei untersucht, wie häufig Unfälle, Schäden und andere Versicherungsfälle wie Diebstähle waren.

In diesem Jahr hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Regionalklassen deutlich angepasst: In insgesamt 101 Bezirken stieg die Regionalklasse. Damit wird die Kfz-Versicherung wohl für rund 10,1 Millionen Autofahrer*innen im kommenden Jahr teurer. Hingegen dürfen sich 5,5 Millionen Fahrer*innen freuen, denn in 67 Bezirken könnten die Beiträge sinken.

Überblick über Regionalklassen: Berlin bleibt Unfall-Hauptstadt

Deutschlandweit bleibt Berlin für Autofahrer die gefährlichste - und damit für Versicherte wohl auch die teuerste Stadt. Sowohl bei Haftpflicht als auch bei Vollkasko wurde die Hauptstadt in der höchsten Klasse eingeordnet (Haftpflicht Klasse 12, Vollkasko Klasse 9), einzig bei Teilkasko liegt Berlin im Mittelfeld (Klasse 10 von 16). Hier liegt der Bezirk Ostallgäu auf Platz 1, während es bei der Vollkasko mit Garmisch-Partenkirchen ebenfalls ein bayerischer Bezirk ist, der auf Platz 1 landet.

Am anderen Ende der Skala finden sich eher ländliche Gebiete: Die niedrigste Schadensklasse bei der Haftpflichtversicherung wurde in Elbe-Elster (Brandenburg) vergeben. Autofahrer*innen mit Vollkasko kommen in Wesermarsch in Brake (Niedersachsen) am günstigsten. Im Landkreis Bamberg ist derweil die Teilkasko am günstigsten.

Generell gibt es bei den Regionalklassen ein Stadt-Land- und ein Nord-Süd-Gefälle. Gerade Haftpflichtschäden gibt es in größeren Städten häufiger. Von den 22 deutschen Städten mit über 300.000 Einwohnern liegen bei den Haftpflichtversicherung 19 in der Regionalklasse 8 oder darüber. Voll- oder Teilkasko-Schäden sind hingegen teilweise seltener: Manche Großstädte landen hier in niedrigeren Klassen, trotz hoher Schadensklasse bei der Haftpflicht. Dies gilt beispielsweise für Nürnberg (Haftpflicht 10, Teilkasko 2, Vollkasko 4), Bielefeld (9, 1, 2) oder Bochum (9,4,4). Wer erfahren möchte, wie der eigene Wohnort bei den Regionalklassen eingeordnet ist, kann dies über das Verbraucherportal des GDV, "die Versicherer".

Wie werden Regionalklassen berechnet - und was bedeuten sie?

Die Regionalklassen gehen auf die Schadensbilanzen der Bezirke zurück. Entscheidend ist dabei der Wohnsitz des Versicherten, nicht der Ort des Schadenfalls. Verursacht beispielsweise ein Autofahrer aus Coburg einen Unfall in Berlin, fließt dies in der Statistik als Haftpflichtfall in Coburg ein, nicht in Berlin. Bei Teil- und Vollkasko fließen außerdem andere Schadensfälle wie Diebstähle, Sturm- und Hagelschäden und die Anzahl der Wildunfälle mit in die Auswertung ein. 

Die Regionalklassen basieren auf einem Index. Das heißt, es geht nicht um den realen Schaden, sondern um den deutschlandweiten Vergleich. Bei einem Index von 100 liegt eine Region deutschlandweit im Durchschnitt. Liegt der Index unter 100, gab es im jeweiligen Bezirk weniger Schadensfälle als im bundesdeutschen Durchschnitt. Liegt der Wert über 100, wurden mehr Schadensfälle gemeldet - und die Versicherung wird tendenziell teurer. Das bedeutet auch, dass sich die Regionalklassen am Ende ausgleichen: Die Senkung von Beiträgen in Gebieten mit weniger Schadensfällen entspricht in der Summe dem Anstieg von Beiträgen in Bezirken mit mehr Schadensfällen. So wollen die Versicherer nach eigener Angabe für mehr Gerechtigkeit bei den Kfz-Versicherungsbeiträgen sorgen. 

Die Einteilung des GDV nach Regionalklassen ist für Versicherer unverbindlich und kann ab sofort für Neuverträge und für bestehende Verträge ab dem nächsten Versicherungsjahr angewendet werden. Sie ist jedoch nur ein Teil der Berechnung von Versicherungsbeiträgen. Auch andere Aspekte, beispielsweise die Gesamtsumme der Versicherungsschäden, allgemeine Preisentwicklung oder gesetzliche Rahmensetzungen werden bei der Festlegung von Kfz-Versicherungsbeiträgen miteinbezogen.