Bonn
Projektionsbericht 2021

Spritpreis steigt massiv: Benzin wird bis zu 70 Cent teurer

Autofahrer müssen sich wohl bald auf eine deutliche Erhöhung des Spritpreises einstellen: Grund dafür sind die Klimaziele der Bundesregierung, die aller Voraussicht nach verfehlt werden. Kostet ein Liter Benzin bald zwei Euro?
Tanken ist so teuer wie seit zwei Jahren nicht mehr.
Tanken ist so teuer wie seit zwei Jahren nicht mehr - und es wird teurer. Bald könnte Benzin bis zu 70 Cent mehr kosten. Foto: andreas160578/pixabay.com
  • Spritpreis steigt massiv: Entwurf des Projektionsberichts 2021 liegt vor
  • Grund: Klimaziele werden nicht erreicht
  • CO2-Preis muss steigen: Benzinpreis wird damit teurer - bis zu 70 Cent möglich
  • Expert*innen fordern vielfältige Maßnahmen

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Schlagzeilen über steigende Benzinpreise. Bereits seit November vergangenen Jahres wird das Tanken in Deutschland kontinuierlich teurer. Einem Bericht der Bundesregierung zufolge könnte der Spritpreis bald jedoch nochmals deutlich ansteigen - um bis zu 70 Cent.

Projektionsbericht 2021: Deutschland verfehlt Klimaziele

Das zumindest geht aus dem "Projektionsbericht 2021" hervor, welcher dem Handelsblatt als Entwurf vorliegt. Alle zwei Jahre muss die Bundesregierung einen solchen Bericht vorlegen, wie zuletzt im Jahre 2019. Darin geht es vor allem um Fragen im Kampf gegen den Klimawandel und ob das Erreichen selbstgesteckter Ziele, sowie die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichbar sind. Je nachdem, ob die Ziele erreicht werden oder nicht, hat der Bericht große Auswirkungen auf die deutsche Klimapolitik - und damit auch auf die Maßnahmen, die letztlich alle Bürger*innen betreffen.

 Offiziell veröffentlicht wurde die neueste Fassung des Projektionsberichts noch nicht, bislang liegt nur ein Entwurf vor. Bereits im August war jedoch schon durchgesickert, dass Deutschland seine Klimaziele für 2030 verfehlen wird. Nun folgt eine weitere Nachricht, die vor allem Autofahrer trifft: Wie das Handelsblatt berichtet, könnte der Spritpreis in den kommenden Jahren um 70 Cent pro Liter ansteigen und damit bei über zwei Euro liegen. Das hätten Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergeben. Für eine ländlich lebende Familie mit zwei Autos würden das rund 1800 Euro zusätzliche Kosten jährlich darstellen, eine in der Stadt lebende Familie mit einem Auto käme auf 700 Euro extra

Die Ursachen dafür sind vielfältig: Eine wichtige Rolle spielen die bereits in der Vergangenheit nicht erreichten Klimaziele. Auch für dieses und nächstes Jahr wird erwartet, dass Deutschland die gesteckten Ziele im Verkehrsbereich deutlich verfehlt. Als Konsequenz daraus folgt, dass künftig härtere Maßnahmen notwendig sein werden.

CO2-Preis könnte deutlich erhöht werden - und Sprit wesentlich teurer

Hierbei kommt der CO2-Preis ins Spiel, der seit diesem Jahr auch einen Teil des Spritpreises ausmacht. Der CO2-Preis liegt in 2021 bei 25 Euro pro Tonne Kohlendioxid, was an der Tankstelle zu sieben bis acht Cent Aufschlag pro Liter Sprit führt. In den kommenden Jahren wird der CO2-Preis nochmals deutlich ansteigen, im Jahr 2025 soll er bei 55 Euro pro Tonne CO2 liegen.

Für das kommende Jahr wird erwartet, dass die Ziele im Verkehrssektor um rund 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid verfehlt werden. Um dem entgegenzuwirken, müsste der CO2-Preis deutlich mehr steigen, als die angepeilten 55 Euro pro Tonne. Doch selbst eine Verfünffachung auf 125 Euro pro Tonne Kohlendioxid würde nur acht Millionen Tonnen Emissionen einsparen. Expert*innen gehen davon aus, dass in Kombination mit zusätzlichen Maßnahmen 150 Euro pro Tonne ausreichen könnten, eine Studie für den Bund der Deutschen Industrie kam 2019 auf ganze 250 Euro. 

Die Auswirkungen einer Erhöhung des CO2-Preises auf den Spritpreis sind leicht berechenbar: "Pro zehn Euro CO2-Preis wird der Liter Kraftstoff etwa drei Cent teurer", erläutert der Westdeutsche Rundfunk (WDR).

Mobilitätswende: Expert*innen fordern vielfältige Maßnahmen

Eine deutliche Erhöhung des CO2-Preises ist also ein naheliegendes Instrument, da es außerdem leicht umsetzbar ist. Allerdings könne das nicht die einzige Maßnahme zum Erreichen der Klimaziele sein, betonen Expert*innen: "Wenn man die Emissionssenkung im Verkehrssektor allein über einen CO2-Preis steuern wollte, dann bräuchte man tatsächlich einen CO2-Preis von 150 Euro", erklärte Claudia Kemfert, Wirtschaftswissenschaftlerin vom DIW in einem Interview mit der "Aktuellen Stunde".

Ihrer Meinung nach sollten stattdessen im Sinne der Verkehrswende die Elektromobilität, sowie der öffentliche Personennahverkehr gefördert werden. Um den gesteckten Klimazielen der Projektionsberichte näherzukommen, brauche es einen "breiten Maßnahmenstrauß": Thorsten Kostka vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie bringt im Gespräch mit dem WDR zum Beispiel ein Tempolimit auf Autobahnen ins Spiel.

Zudem gilt es, Schienenwege und Fahrradnetze auszubauen, meint Franz Loogen. Er ist als Experte in der "Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität" tätig. Seiner Ansicht nach liege der Schlüssel zur Rettung des Klimas "in den Nutzungsgewohnheiten der Menschen", zitiert merkur.de. Die Corona-Pandemie habe dabei großen Einfluss gehabt - auch in Bezug auf die Mobilität. Dazu zählt etwa der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad, oder das Arbeiten von zu Hause, was den Arbeitsweg und damit den Ausstoß von Emissionen spart. Um die Nutzungsgewohnheiten nachhaltig zu verändern, sei ein "angemessen hoher CO2-Preis" laut Loogen "eine wichtige Motivation".