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Arbeiten, statt Ruhestand: Was passiert, wenn du keinen Rentenantrag stellst?

Nicht alle, aber einige Arbeitnehmer, stellen mit Erreichen der Altersgrenze keinen Rentenantrag. Sie wollen statt in den Ruhestand weiter arbeiten. Wir sagen, wie das geht und welche Auswirkungen es hat, wenn du keinen Rentenantrag stellst.
Was passiert, wenn du keinen Rentenantrag stellst.
Was passiert, wenn du keinen Rentenantrag stellst? Foto: #225143/Colourbox.de
  • Was passiert, wenn du keinen Rentenantrag stellst, sondern weiterhin arbeiten gehen willst?
  • Niemand muss zwangsweise in Rente gehen
  • Um wie viel steigt die Rente, wenn du weiter arbeitest?
  • Mit dem Arbeitgeber reden: Warum das wichtig ist

Bereits einige Monate vor dem Erreichen der für dich gültigen Altersgrenze kannst du eigentlich deinen Antrag auf Rente stellen. Machst du das nicht, gibt es auch kein Geld. Immer mehr Arbeitnehmer verpassen diese Zeitgrenze ganz bewusst, arbeiten weiter und zahlen unvermindert in die Rentenversicherung ein. Aber ist das überhaupt erlaubt und wie rechnet sich das?

Niemand muss zwangsweise in Rente gehen

Niemand ist verpflichtet, mit Erreichen des regulären Regelrentenalters einen Rentenantrag zu stellen. Ohne Rentenantrag wird auch keine Rente gezahlt. Stattdessen ist eine Weiterarbeit – soweit sie arbeits- und tarifvertraglich zugelassen ist – bis weit über das Erreichen der Regelaltersgrenze hinaus möglich.

Hauptmotiv für die Verlängerung ist es, durch die Fortführung der Beitragszahlungen, die Rente zu erhöhen. Als Alters-Rentenbezieher*in kannst du natürlich auch neben der Rente arbeiten, und zwar ohne irgendwelche Verdienstgrenzen. Insbesondere für Frührentner*innen ist diese Form attraktiv, weil die Zuverdienstgrenze seit 2023 weggefallen ist. Dann zahlst du allerdings nicht mehr in die Rentenversicherung ein. 

Welche Auswirkungen hat die fortgesetzte Beschäftigung mit Einzahlung in die Rentenversicherung? Wird die Rente nicht in Anspruch genommen, erhöht sich der spätere Rentenanspruch um 0,5 Prozent pro Monat. Dies ergibt pro Jahr einen Zuwachs um sechs Prozent. Arbeitnehmende und Arbeitgebende zahlen weiter Beiträge zur Rentenversicherung. Dies erhöht die spätere Rente zusätzlich.

Um wie viel steigt die Rente, wenn du weiter arbeitest?

Um wie viel erhöht sich die Rente von Durchschnittsverdiener*innen durch ein Hinausschieben des Rentenbeginns um ein Jahr? Ein durchschnittlich verdienende Person (3.242 Euro pro Monat), die bei Erreichen der regulären Altersgrenze 45 Jahre Beiträge gezahlt hat, würde aktuell eine monatliche Bruttorente in Höhe von 1.538,55 Euro in den alten Bundesländern erhalten.

Schiebt er oder sie den Renteneintritt um zwei Jahre auf und arbeitet weiter, beliefe sich der Rentenanspruch nach heutigen Werten auf 1.799,76 Euro. Das entspricht einer Erhöhung um rund 17 Prozent. Ein*e Durchschnittsverdiener*in im Westen erhöht die Rente durch jedes weitere Berufsjahr, in diesem Beispiel also um rund 130 Euro

Versicherte, die die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllen und kurz vor Erreichen der Regelaltersgrenze noch keinen Antrag auf Altersrente gestellt haben, erhalten ein Hinweisschreiben von der Rentenversicherung. Darin informiert die Deutsche Rentenversicherung (DRV), dass du Anspruch auf eine Regelaltersrente hast. Ausgezahlt wird sie aber nur auf Antrag. In diesem Zusammenhang erfolgt eine Aufklärung über die Auswirkungen, die sich aus einem weiteren Aufschieben des Rentenbeginns ergeben.

Mit dem Arbeitgeber reden

Das Interesse der Unternehmen wächst, in Zeiten von Fachkräftemangel Mitarbeitende über die Rentenaltersgrenze hinaus zu beschäftigen. Betriebe wollen häufig nicht auf erfahrene, gut qualifizierte Beschäftigte verzichten, bloß weil diese die Regelaltersgrenze erreicht haben. Ein japanisches Sprichwort sagt: "Wenn ein alter Mensch stirbt, ist es wie eine Bibliothek, die brennt." Das wollen sich viele Unternehmen nicht mehr leisten. Wollen beide Seiten dies, ist es sinnvoll, eine vertragliche Regelung zu treffen.

In Arbeitsverträgen gibt es oftmals eine Altersaustrittsklausel, die dann einfach zu verlängern ist. Wenn die vertraglichen Angelegenheiten mit dem oder der Arbeitgeber*in geklärt sind, kannst du einfach weiterarbeiten. Der oder die Arbeitgeber*in muss weiterhin 50 Prozent des Beitrags an die Rentenversicherung (8,6 Prozent deines Brutto-Einkommens) zahlen.

Vorsitzende, die mit ihren Mitarbeitenden eine Weiterbeschäftigung nach Renteneintritt vereinbaren, sollten diesen Arbeitsvertrag befristen. Das können Betriebe beliebig oft – die immer neue Befristung diskriminiert die Älteren nicht, so das Bundesarbeitsgericht (Urteil: BAG vom 19.12.2018, Az.: 7 AZR 70/17). Die Befristung ist auch für die Beschäftigten sinnvoll.

Fazit

Gegenüber den 269.000 neuen Bezieher*innen der "Rente mit 63", die 2021 hinzukamen, sind diejenigen, die weiter arbeiten und damit ihr Renteneintrittsalter hinausschieben, zahlenmäßig gering. Ein weiteres Jahr arbeiten, um dafür rund 130 Euro mehr Rente pro Beschäftigungsjahr zu kassieren, ist offensichtlich nicht besonders attraktiv für die Betroffenen. Trotzdem ist es gut, dass die Rentenversicherung diese kleine Flexibilität wenigstens hat.

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