• Neuer Corona-Impfstoff: Nasenspray könnte statt Impfung kommen
  • Man spricht von "echter steriler Immunität"
  • So weit ist die Forschung

Neuer Corona-Impfstoff in Nasenspray-Form: Die bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe sollen vor allem gegen schwere Covid-19-Verläufe schützen.  Doch gerade hinsichtlich der Wirksamkeit gegen die Delta-Variante des Coronavirus zeigen die Impfstoffe oftmals ihre Grenzen auf. Forschende arbeiten daher an einem neuen Corona-Impfstoff in Nasenspray-Form.

Corona-Impfung als Nasenspray? Forschung gibt Hoffnung

Impfdurchbrüche, also Infektionen mit Corona trotz mehrfacher Impfungen, kommen immer häufiger vor. Immunisierte sind dann durchaus auch infektiös und damit eine Gefahr für Ungeimpfte. Zudem wird es auch in Zukunft sehr wahrscheinlich sein, dass es nach Delta und Omikron noch weitere Mutationen des Coronavirus geben wird, das erklärt sich schon allein durch die rund um den Globus völlig asynchron verlaufenden Impfkampagnen.

Buchtipp: Corona-Impfstoffe: Rettung oder Risiko?

Eine neue Art von Impfstoff soll diese Schwächen möglichst schnell aus dem Weg schaffen. Wissenschaftler*innen setzen dabei an einer vollkommen neuen Stelle an: der Nase. Denn die bisherigen Vakzine werden intramuskulär im Oberarm verimpft. Dabei ist bekannt, dass Mund und Nase die Einfallstore für das Virus darstellen. "Das Coronavirus dringt über die Atemwege in den Körper ein und richtet bei einer Erkrankung in der Lunge den größten Schaden an", so der Immunologe Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover in der "Welt".

Förster arbeitete bereits im Dezember 2021 an der Entwicklung sogenannter Inhalations-Impfstoffe mit. Diese funktionieren wie ein Nasenspray, die Immunisierung findet durch das Riechorgan statt. Die Wissenschaftler*innen wollen damit erreichen, dass sich das Virus nicht in der Nase und im Mund ausbreiten kann. "Obwohl Menschen geimpft werden, können sich Viren manchmal an einigen Stellen im Körper weiter ausbreiten. Der Geimpfte ist dann weiter ansteckend", sagt Prof. Dr. Ulrich Lauer vom Universitätsklinikum Tübingen. Der Facharzt für Innere Medizin nennt gegenüber dem SWR Polioviren als Beispiel, also die Kinderlähmung. Lauer arbeitet und forscht seit längerem an einem anderen Corona-Inhalations-Impfstoff. 

Ein Forscherteam des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) arbeitet derzeit an einem Projekt mit dem Namen "Zell-Trans". Dieses Projekt wird auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,7 Millionen Euro unterstützt. "Die Akzeptanz eines Sprays in die Nase zum Infektionsschutz ist sicherlich höher als die einer Impfung, für die man eine Nadel benötigt. Das gilt insbesondere für Kinder", sagt der Leiter des Forschungsprojekts, Professor Joseph Rosenecker, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin sowie Kinder-Pneumologie und Leiter der Ambulanz für rehabilitative und präventive Pädiatrie am LMU Klinikum München. Die Förderung durch den Bund ist derzeit auf drei Jahre ausgelegt.

Neu an dem Impfstoff aus München: Die Forscher*innen nutzen mRNA-Stoffe. Zwar werden derzeit auch in anderen Ländern Nasenspray-Impfstoffe in klinischen Studien getestet, doch setzen diese fast alle auf einen Lebend-Impfstoff. Die Verwendung von mRNA-Impfstoffen bietet den Vorteil, dass diese direkt auf die Schleimhaut der Atemwege einwirken. So kann ein Befall der Zellen im Nasen-Rachen-Raum mit Coronaviren verhindert werden. So ließen sich nicht nur schwere Krankheitsverläufe vermeiden, sondern eine Infektion fände erst gar nicht statt. Sollte das Prinzip funktionieren, könnte ein solcher nasaler mRNA-Impfstoff auch einen besseren Schutz gegen andere virale Atemwegsinfektionen bieten. Außerdem könnte das Verfahren auch für die Gentherapie von Lungenkrankheiten genutzt werden.

Wie lange es noch dauern wird, bis das Corona-Nasenspray auf dem Markt ist, steht noch nicht genau fest. Das sagte Professor Rosenecker gegenüber dem BR. Es hänge von vielen verschiedenen Faktoren ab, wann die neue Impfmethode nutzbar sein würde. Die Hoffnung auf eine schnelle Alternative zum Piks in den Oberarm wird erstmal gebremst: Bis ein funktionierender nasaler Impfstoff vorhanden ist, könnte es noch Jahre dauern. 

Wirkung in Tierversuchen getestet

Der Immunologe Reinhold Förster hat aber die Hoffnung, "dass die Nasensprays echte sterile Immunität erzeugen" könnten. Das würde bedeuten, dass sich Geimpfte gar nicht mehr anstecken können und das Virus somit auch nicht mehr weitergeben würden. Damit ließe es sich auch deutlich leichter ertragen, wovor immer mehr Expert*innen warnen: Dass wir in Zukunft mit dem Virus leben müssen, weil es sich nicht mehr von der Erde tilgen lassen wird.

An der Freien Universität Berlin wurden im vergangenen Jahr im Bereich Corona-Nasenspray bereits erste Erfolge verkündet, wie der Berliner Kurier berichtete. So sollen dort an Goldhamstern und Zwerghamstern Spray-Aktionen durchgeführt worden sein, die die Wirksamkeit dessen - zumindest bei den kleinen Nagetieren - bestätigt haben.

Auch das Forscherteam der LMU konnte in Versuchen an Mäusen beweisen, dass das Prinzip funktioniert. Speziell entwickelte Partikel können bewirken, dass Coronaviren gar nicht erst Zellen in Nase und Rachen angreifen. Es bleibt spannend, wann tatsächlich die ersten Impf-Nasensprays erscheinen werden. Solang bleibt es erstmal doch bei dem klassischen Piks in den Oberarm.

Artikel enthält Affiliate Links

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Piktogramm beziehungsweise einem Einkaufswagen-Symbol, einem Ticket-Symbol oder Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn du auf einen dieser Links klickst bzw. darüber einkaufst, bekommen wir eine Provision vom Händler oder Dienstleister. Für dich ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.