Angesichts des Ukraine-Kriegs, der Energiekrise und hoher Inflation gerät die Corona-Pandemie fast ein bisschen in Vergessenheit. Expert*innen hatten jedoch vor der anrollenden Herbstwelle gewarnt. Zuletzt fielen die Infektionszahlen aber wieder.

War es das also schon mit der Herbstwelle? Und welche Corona-Maßnahmen braucht Deutschland, um gut durch den Winter zu kommen? Dazu hat sich Topvirologe Hendrik Streeck geäußert - und dabei vor allem eine Maßnahme als "überflüssig" bezeichnet.

Streeck zieht Lehren aus der Sommerwelle

Tatsächlich stiegen die Infektionszahlen in Deutschland im Herbst zunächst deutlich. Zuletzt sanken sie aber wieder. Dies liegt zum einen am warmen Wetter in der zweiten Oktoberwelle: Was bei der Einsparung von Erdgas hilft, half hier auch beim Kampf gegen das Coronavirus.

Hendrik Streeck wies gegenüber der Bild am Sonntag jedoch auch auf einen anderen Aspekt hin: Seiner Einschätzung nach hatten sich in der Hochphase der Sommerwelle bis zu einer Million Menschen mit Corona infiziert - pro Tag. Damit würde die Zahl der Infizierten deutlich höher liegen, als offiziell erfasst. Diese Menschen haben jedoch einen höheren Schutz vor einer erneuten Infektion - zumindest derzeit noch. Denn Streeck wies auch darauf hin, dass dieser Immunschutz im Laufe des Winters seine Kraft verlieren könnte und sich dann wieder mehr Menschen infizieren könnten. 

Droht also doch noch die große Coronawelle? Und braucht man deswegen verschärfte Maßnahmen? Da ist Streeck eher skeptisch - gerade mit dem Blick auf die Sommerwelle: "Sie ist von selbst entstanden und brach von selbst, ohne den Effekt von Maßnahmen." Bereits vor einigen Wochen hatte sich Streeck kritisch zu den geplanten Corona-Maßnahmen geäußert

Maskenpflicht überflüssig? Streeck plädiert für mehr Aufklärung

Besonders skeptisch steht er der Maskenpflicht in Innenräumen gegenüber. Sie könne sicherlich einige Infektionen verhindern, ihr Effekt sei in der Praxis jedoch "nicht so groß, wie man es gerne hätte". Denn ein Großteil der Menschen infiziere sich im privaten Umfeld - dort sei eine Maskenpflicht aber "aus gutem Grund" nicht vorgesehen. 

Stattdessen plädiert Streeck für mehr Aufklärung: Für wen ist eine Maske in welcher Situation wirklich sinnvoll? Gleiches gelte zudem auch für die Impfung. Auch hier gelte: Für einige Menschen sei eine weitere Impfung sicher richtig und wichtig - gerade bei jüngeren Menschen sei der Schutz aber "nach drei Impfungen absolut ausreichend".