Trotz Sommer bleibt die Zahl der Corona-Ansteckungen in Deutschland hoch. Selbst Geimpfte, die sich in den vergangenen Wochen schon einmal mit Omikron infiziert haben, bekommen gerade erneut Corona. Längst ist klar, dass der Schutz vor der Erkrankung auch nach einer Infektion mit der Zeit wieder nachlässt. Es mehren sich zudem Hinweise, dass man sich bei den neuen Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5 noch schneller ein zweites Mal anstecken kann als bei bisherigen Varianten.

Aber wie kann ich mich schützen? Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es nicht. Wie gut sich das Immunsystem nach einer Impfung oder Erkrankung gegen das Virus wappnet, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Dabei spielt aber nicht nur das Immunsystem eine Rolle, sondern auch, ob und wie oft man geimpft ist und mit welcher Variante man sich infiziert. "Der Schutz hängt sowohl von der Variante und der Menge des Virus, als auch vom Verlauf ab. Leichte Verläufe haben oft eine geringere Immunantwort zur Folge", erklärte Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, bereits vor einigen Wochen gegenüber der Tagesschau.

Zweimal in kurzer Zeit mit Omikron infizieren - das ist möglich

Für den Schutz vor Viren ist beim Menschen das Immunsystem zuständig. Bei einer Infektion oder Impfung wird dem Immunsystem übermittelt, wie es sich gegen ein Coronavirus verteidigen kann. Daraufhin entwickelt es eine entsprechende Abwehr. Prinzipiell ähneln sich eine Infektion und Impfung: Beide regen das Immunsystem an, Antikörper gegen das Virus zu bilden. Viren sollen durch Spike-Proteine, für die das Coronavirus bekannt ist, unschädlich gemacht werden.

Belegt ist allerdings auch, dass dieser Schutz, die gebildete Abwehr, mit der Zeit weniger effektiv wird. Berichte von Impfdurchbrüche häufen sich insbesondere seitdem die Omikron-Variante in Umlauf ist. Darauf verweist die Gesellschaft für Virologie in einer Stellungnahme. Zudem geben die Forschenden zu Bedenken, dass Menschen, die sich mit einer anderen Variante als Omikron infiziert hatten, gegenüber der aktuellen Mutation deutlich schlechter geschützt sind.

Das gilt besonders für ungeimpfte Genesene, wie es in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Immunologie heißt. Der Schutz für diese sei „deutlich reduziert“, Immunantworten gegen die Omikron-Mutation zum Teil „nicht mehr nachweisbar“. In einer Studie aus Dänemark konnte nachgewiesen werden, dass sich Ungeimpfte bereits nach 20 bis 60 Tagen nach einer Omikron-Infektion erneut mit der Mutation anstecken können, wenn auch nur in seltenen Fällen. Es ist offensichtlich auch möglich, sich in kurzer Zeit mit unterschiedlichen Omikron-Subtypen anzustecken. Auch das RKI berichtet in einem aktuellen Artikel darüber, dass Antikörper, die bei einer Erstinfektion mit BA.1 entstanden sind, andere Subtypen wie BA.4 und BA.5 schlechter neutralisieren können.

Omikron-Subtypen verstärken Reinfektionsrate

Anfang Juli 2022 hat auch die australische Gesundheitsbehörde (AHPPC) in einer Stellungnahme vor der Verbreitung der Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5 gewarnt. Durch die Infektionen würden sich den Experten zufolge auch die Reinfektionsraten deutlich steigern - egal, ob genesene Menschen betroffen sind oder geimpfte Personen.

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Laut Forschenden sind die beiden Varianten noch geschickter darin, den Immunschutz durch eine Infektion zu umgehen, als zuvor BA.1 und BA.2. Bereits 28 Tage nach einer Genesung könnte dem AHPPC zufolge eine erneute Infektion auftreten.

Auch französische Wissenschaftler*innen haben bereits Ende April 2022 eine Untersuchung veröffentlicht, in der sie sich die Reinfektionsraten verschiedener Corona-Wellen in der Hafenstadt Marseille genauer angeschaut hatten. Das Ergebnis ist damals eindeutig ausgefallen: Die Rate der Reinfektion mit dem Coronavirus lag anfangs bei 0,2 bis 1,5 Prozent. Mit der Omikron-Variante BA.1 und BA.2 stieg die Zahle auf 6,8 Prozent. Auch österreichische Forschende haben ähnliche Entdeckungen gemacht, dass eine schnellere Reinfektion als nach drei Monaten möglich sei. "Schnelle Reinfektionen treten jedoch meistens bei ungeimpften oder unvollständig geimpften Personen auf", betonten die Forschenden in einem Bericht von Anfang Juli 2022, im Journal of Infection.

Ansteckungsrisiko unterschiedlich hoch - Immunantwort entscheidend

Wie gut das Immunsystem eines einzelnen Menschen vor einer erneuten Infektion schützen kann, liegt an der Stärke der sogenannten Immunantwort. Wie viele Antikörper und T-Zellen ein Mensch nach einer Infektion gebildet hat, hängt laut Christine Falk, Professorin für Transplantationsimmunologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, von der Virusvariante, der Virusmenge und dem Verlauf ab: „Leichte Verläufe haben oft auch eine geringere Immunantwort zur Folge.“ Das bedeute, dass sich die Menschen häufiger mit dem Virus infizieren könnten.

Auch die Immunantwort auf eine Impfung kann unterschiedlich stark ausfallen – bei älteren Menschen ist sie zum Beispiel oft schwächer. Eine Garantie oder Zeitangabe, ob und wie lange eine Corona-Infektion vor einer erneuten Ansteckung schützt, kann es also nicht geben. Egal ob mit Impfung oder nicht.

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