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Nebenberuflich selbstständig: Das musst du bei deinem Nebenverdienst beachten

Wenn du dich nebenberuflich selbstständig machen willst, musst du einiges beachten. Was du für dein Vorhaben wissen solltest, erfährst du in diesem Artikel.
 
Viele Menschen sind auf ein zweites Standbein angewiesen? Was muss man bei nebenberuflicher Selbstständigkeit beachten?
Viele Menschen sind auf ein zweites Standbein angewiesen? Was muss man bei nebenberuflicher Selbstständigkeit beachten? Foto: CC0 / Pixabay / Pexels
  • Nebenberufliche Selbstständigkeit: Muss mein Arbeitgeber zustimmen?
  • Ist man mit der nebenberuflichen Selbstständigkeit steuerpflichtig und muss ich ein Gewerbe anmelden?
  • Was ist Scheinselbstständigkeit und was sollte man beachten?
  • Kann man sich als Arbeitsloser selbstständig machen?
  • Muss ich eine zweite Krankenversicherung abschließen?

Wer sich neben seinem Job bei einem Unternehmen selbstständig machen will, kann unterschiedliche Gründe haben: Entweder das Gehalt reicht nicht zum Leben, man will sich mehr gönnen oder auch ein zweites Standbein aufbauen, um sich zu verwirklichen. Über Fallstricke und worauf du achten solltest, informiert die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK).

Muss der Arbeitgeber zustimmen, wenn ich mich nebenberuflich selbstständig mache?

Sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer hat Rechte und Pflichten, wenn sich ein Mitarbeiter neben seiner Tätigkeit im Unternehmen selbstständig machen will.

Laut IHK ist der Arbeitnehmer verpflichtet, seinen Chef über sein Vorhaben zu informieren. Der Arbeitgeber muss im Gegenzug zustimmen, falls keine triftigen Gründe dagegen vorliegen. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn sich der Mitarbeiter in der gleichen Branche wie sein Arbeitgeber selbstständig machen will und somit eine Konkurrenz darstellt.

Nachdem der Chef informiert ist, geht ihn die Nebenselbstständigkeit seines Mitarbeiters nichts mehr an, egal wie erfolgreich oder nicht erfolgreich dieser ist. Du kannst soviel arbeiten und verdienen wie du willst, solange deine Haupttätigkeit nicht darunter leidet. Eine begrenzte Stundenanzahl oder eine Obergrenze für Einnahmen gibt es nicht. Beamte müssen sich übrigens immer die nebenberufliche selbstständige Tätigkeit vom Dienstherren genehmigen lassen.

Nebenberufliche Selbstständigkeit: Muss man ein Gewerbe anmelden?

Für nebenberuflich Selbstständige gilt das gleiche, wie für hauptberufliche Unternehmer und Freiberufler: Man muss beim zuständigen Gewerbeamt oder Ordnungsamt ein Gewerbe anmelden. Ausgenommen sind sogenannte freie Berufe. Dazu zählen zum Beispiel Rechtsanwälte oder freiberufliche Journalisten.

Unabhängig von der Form der Selbstständigkeit muss man sich auch beim Finanzamt anmelden. Die IHK weist darauf hin, dass man sich seit 1. Januar 2021 bei der Aufnahme einer land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit sowie als Freiberufler oder Gewerbetreibender aktiv beim Finanzamt ohne Aufforderung melden muss.

Dazu hat man bis zu einem Monat nach der Gründung Zeit. Die Anmeldung ist auch über Elster möglich. Über das gemeinsame Internetportal der Finanzbehörden kannst du auch eine Steuernummer beantragen. Arbeitnehmer haben mit der Abgabe von Steuern nichts zu tun, das erledigt die Firma. Als Beschäftigter hat man allerdings auch eine Steuernummer. Wenn man sich beim Finanzamt als nebenberuflich Selbstständiger anmeldet, bekommt man laut dem Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums eine zweite Steuernummer zugewiesen. Lese-Empfehlung: Wie du dein Arbeitsverhältnis problemlos kündigst, erfährst du in unserem Artikel. 

Nebenberuflich selbstständig: Welche Steuern muss ich bezahlen?

Das Einkommen aus einer nebenberuflichen Selbstständigkeit muss, wie jedes Einkommen, versteuert werden. Die IHK empfiehlt, circa 30 Prozent deines Gewinns für die Zahlung der Einkommensteuer zur Seite zu legen. So vermeidest du böse Überraschungen. Denn du musst jährlich eine Einkommensteuererklärung abgeben.

Auch Umsatzsteuer wird für nebenberuflich Selbstständige fällig. Du musst regelmäßig eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. Gründer haben das laut IHK in der Regel in den ersten beiden Jahren monatlich zu machen. Danach ist die Abgabe vierteljährlich üblich. Du musst deinen Kunden für erbrachte Leistungen eine Rechnung stellen. Diese muss deine vollständige Adresse, das Rechnungs- und Lieferdatum sowie die Steuernummer enthalten. Wenn du ohne Rechnung arbeitest, ist das Steuerhinterziehung. Die Mehrwertsteuer muss darauf ausgewiesen sein.

Auch wenn du nebenberuflich einer selbstständigen Tätigkeit nachgehst, kannst du die sogenannte Kleinunternehmerregelung nutzen. Das ist beim Finanzamt zu beantragen. Laut IHK ist dafür Voraussetzung, dass du im Vorjahr weniger als 22.000 Euro und im aktuellen Jahr weniger als 50.000 Euro erwirtschaftest. Du bezahlst dann keine Umsatzsteuer, darfst auf der Rechnung auch keine ausweisen. Der Nachteil: Du kannst natürlich keine Betriebsausgaben von der Vorsteuer abziehen. Die Pflicht, Einkommensteuer zu bezahlen, bleibt davon unberührt. Tipp: Wende dich an einen Steuerberater. Dieser berät dich individuell für deine Bedürfnisse als Selbstständiger.

Was ist die Scheinselbstständigkeit?

Die IHK warnt vor Scheinselbstständigkeit. Obwohl die Grenze diffus ist, sehen die Behörden nicht gerne, wenn du für nur einen Auftraggeber arbeitest.

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Der Gesetzgeber will verhindern, dass Unternehmen Selbstständige beschäftigen, die eigentlich wie Angestellte arbeiten und so Sozialversicherungbeiträge hinterziehen. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Wenn du zum Beispiel zeitweise mangels Aufträgen nur einen gewerblichen Kunden hast oder für einen Privatkunden arbeitest, dürfte das kein Problem sein.

Anhaltspunkte für Scheinselbstständigkeit sind laut IHK, wenn du eben nur für einen Auftraggeber arbeitest oder wenn du für das gleiche Unternehmen arbeitest, bei dem du auch angestellt bist. Wenn du direkt im Unternehmen auf selbstständiger Basis arbeitest oder du über Arbeitspensum und Arbeitszeiten nicht selbst entscheiden kannst, deutet das auch auf eine Scheinselbstständigkeit hin.

Wie funktioniert die Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus?

Kann man sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen? Auch darauf hat die IHK Antworten. Was das Arbeitslosengeld I betrifft ist die Regelung klar: Wer mindestens 15 Stunden pro Woche selbstständig arbeitet, gilt nicht mehr als arbeitslos und die Bezüge werden gestrichen.

Anders verhält es sich, wenn man Arbeitslosengeld II, landläufig Hartz IV, bezieht. Laut IHK ist die Selbstständigkeit eine gute Möglichkeit, das Einkommen aufzubessern und vielleicht über kurz oder lang hauptberuflich selbstständig zu arbeiten.

Dabei gelten folgende Regeln: Du musst deine Selbstständigkeit umgehend dem Jobcenter melden. Das Jobcenter verlangt, dass du die sogenannte Anlage EKS ausfüllst, um eine Prognose zu deinem erwartenden Einkommen abgeben zu können. Der Hartz IV-Anspruch wird um die zu erwartenden Einnahmen gekürzt. Weil du nur "nebenberuflich" selbstständig bist, musst du weiterhin dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und zu Vorstellungsgesprächen gehen sowie Maßnahmen des Jobcenters annehmen.

Nebenberuflich selbstständig: Muss ich mich extra krankenversichern?

Kranken- und sozialversichert zu sein, ist in Deutschland Pflicht. Arbeitnehmer sind automatisch über die Firma versichert. Selbstständige sind auch verpflichtet, sich zu versichern. Mit dem Unterschied, dass sie selbst dafür verantwortlich sind. Laut IHK finanziert sich die gesetzliche Krankenversicherung bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit über den Hauptjob.

Wenn die selbstständige Tätigkeit überwiegt, ist man nicht mehr nebenberuflich selbstständig. In diesem Fall muss man sich freiwillig gesetzlich krankenversichern. Die IHK empfiehlt bei Unsicherheit von der Krankenkasse ein sogenanntes Statusfeststellungsverfahren durchführen zu lassen.

Des Weiteren rät die IHK dazu, sich hinsichtlich der Rentenversicherungspflicht zu informieren. Denn es gibt Tätigkeiten, welche diese auch in der selbstständigen Nebentätigkeit auslösen.

Nebenberufliche Selbstständigkeit: Welche Förderungen sind möglich?

Während hauptberuflich Selbstständige bei der Gründung viele Möglichkeiten haben, staatliche Förderungen und Zuschüsse zu beantragen, ist laut IHK die Auswahl für nebenberufliche Gründer deutlich geringer.

Einige Gründerkredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) können demnach auch nebenberufliche Gründer in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist, dass die hauptberufliche Selbstständigkeit angestrebt wird.

Die IHK empfiehlt nebenberuflichen Selbstständigen, den Kapitalbedarf nicht zu unterschätzen und genau zu prüfen, ob sie Fördermittel vom Staat, dem Land oder der eigenen Gemeinde erhalten können. Lesenswert: Wie viel Taschengeld deine Kinder bekommen sollten, erfährst du in unserem Artikel. 

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