Deutschland
Verbraucherschutz

Geräte mit smarten Funktionen unter Spionage-Verdacht: Behörde warnt - 4600 Produkte aus dem Verkehr gezogen

Die Bundesnetzagentur warnt Verbraucher vor "Spionagegeräten". Sie können sich überall befinden: in kleinen gemieteten Apartments, teuren Hotelzimmern, Büros, Fitnessstudios und sogar im eigenen Zuhause. Bei diesen Elektrogeräten mit sogenannten "smarten Funktionen" ist Vorsicht geboten.
Verbraucher-Warnung vor Spionagegeräten: Saugroboter
Verbraucher-Warnung vor Spionagegeräten: Auch die beliebten Staubsaugerroboter können heimlich Bilder und Töne aufnehmen und übermitteln. Foto: Denny Müller/unsplash.com (Symbolbild)
  • Warnung der Bundesnetzagentur
  • Saugroboter überträgt Bilder
  • rechtliche Lage
  • Smartwatch kann viel - zu viel?
  • Vorsicht bei GPS/GSM-Trackern
  • 4 Methoden zum Aufspüren versteckter Kameras
  • Tipps der Netzagentur

In harmlos wirkendem Spielzeug und nützlichen Haushaltsgeräten verstecken sich oftmals kleine Geheimnisse. Die Bonner Bundesnetzagentur überwacht, ob in elektronischen Geräten verbotene Bauteile installiert sind, die Audio- oder Bilddateien unbemerkt weiterleiten können. 

Versteckte "Spione" in technischen Geräte - Staubsauger überträgt Bilder

Die Bundesnetzagentur warnt Käufer*innen vor verborgenen Kameras und Mikros. 4600 Produkte wurden in 2021 von der Bundesnetzagentur aus dem Verkehr gezogen, weil sie Spionagegeräte in sich trugen. Damit hat sich die Zahl der verbotenen Produkte im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (im Jahr 2020: 2170 Produkte).

Dass auch Sprachassistenten und Smart-TVs mehr von ihrer Umgebung mitbekommen als sie sollten – das hat sich unter datenschutzbesorgten Verbrauchern herumgesprochen. Als "besonders heimtückische" Alltagsgegenstände sind den Mitarbeitenden der Bonner Agentur in jüngster Zeit etwa Duftspender, Taschentuchboxen und Saugroboter aufgefallen.

Die Bundesnetzagentur warnt auch vor intelligentem Spielzeug oder vernetzten Alltagsgegenständen wie Rauchmeldern, in denen ebenfalls versteckte Kameras oder versteckte Mikrofone zu finden sind.

Deutschland hat Verbote: Das gilt

"Diese Produkte sind in Deutschland verboten, wenn sie zusätzlich Audio- oder Bilddateien an ein mobiles Endgerät weiterleiten können. Dies dient dem Schutz der Privatsphäre", so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

"Wir warnen Verbraucher vor Spionagegeräten und raten, die Produktbeschreibung vor dem Kauf genau zu lesen." Staubsauger, darunter auch die beliebten Saugroboter (Staubsaugerroboter), können beispielsweise heimlich Bilder und Töne an ein Smartphone übertragen. Kurz vor Weihnachten prüfte die Bundesnetzagentur mehrere Geräte auf solche verbotenen Zusatzfunktionen.

Auch hat sie Verbraucher*innen aufgefordert, bei "intelligentem" Spielzeug und digital vernetzten Geräten sehr genau hinzuschauen.

Smartwatch kann viel - zu viel? - Vorsicht bei GPS/GSM-Trackern

Verfügt etwa eine Smartwatch neben einer normalen Telefonfunktion über eine Abhörfunktion, oft bezeichnet als "voice monitoring", "Babyfonfunktion", "one-way conversation", oder eine verdeckte Kamera, dann müssen sie inaktiv bleiben.Das Mikrofon beziehungsweise die Kamera der Smartwatch kann in diesen Fällen entweder per App oder per SMS-Befehl aktiviert werden.

Alle Stimmen und Geräusche im Umfeld der Uhr können dann von einem Dritten mitgehört werden. Weder der Träger der Uhr noch die Gesprächspartner des Uhrenträgers können dies erkennen.

Man sollte auch auf den Kauf von GPS-/GSM-Trackern verzichten, die über eine Abhörfunktion verfügen. Diese kann per App oder SMS-Befehl aus der Ferne aktiviert werden, sodass sie grundsätzlich jeder nutzen kann, der Kenntnis von der Telefonnummer der SIM-Karte des GPS-/GSM-Trackers hat.

Vier Methoden, um Spionagekameras zu finden

Um versteckte Kameras in harmlos erscheinenden Geräten zu deaktivieren, müssen sie zumeist erst einmal entdeckt werden.

Detektoren für elektromagnetische Strahlung: Die besten Angebote bei Amazon

Der Sicherheitsspezialist Kaspersky erläutert in seinem Verbraucher-Service-Blog vier Methoden, um Spionagekameras zu finden.

  1. Experten beauftragen: Die zuverlässigste Weise versteckte Spionagegeräte zu finden, sei die Beauftragung eines qualifizierten Technikers mit professioneller Ausrüstung. Fachleute sei in quasi jeder Stadt zu finden, zum Beispiel über Kleinanzeigen.
  2. Speziale Tools einsetzen: Verbraucher können Detektoren für elektromagnetische Strahlung, optische Melder und andere Geräte für das Entdecken von versteckten Kameras kaufen und damit die einzelnen Räume selbst überprüfen. 
  3. Kamera mit dem Smartphone aufspüren: In manchen Fällen reiche Kaspersky zufolge ein Smartphone aus, um eine unerwünschte Kamera zu finden. Wer dies ausprobieren möchte, muss zunächst das Licht ausschalten und das Zimmer komplett abdunkeln. Dann werden Taschenlampe und Kamera des Handys aktiviert und auf die Stelle gerichtet, an der eine versteckte Kamera vermutet wird. Leuchtet ein Punkt auf dem Bildschirm des Smartphones auf, ist das eine Bestätigung der Vermutung. Wenn das Handy eine gleichzeitig Verwendung von Cam und Lampe nicht erlaubt, kann auch eine separate Taschenlampe genutzt werden.
  4. Spionagekamera mit einer App entdecken: Spezial-Apps für das Aufspüren von versteckten Kameras oder anderen Spionagegeräte können laut den Sicherheitsexpertren von Kasperky in zwei Kategorien unterteilt werden: Die erste findet die unerwünschten Geräte über das Leuchten des Objektivs (wie in Methode 3 beschrieben; zu dieser Art von Apps zählt beispielsweise Glint Finder (Link zu Google Play), das nach elektromagnetischen Wellen sucht und das Aufleuchten oder Funkeln ("Glint") erkennt, wenn Licht auf das Kamera-Objektiv gelangt. Die Apps der zweiten Kategorie wurden entwickelt, kabellose Spionagegeräte zu suchen. Für ihre korrekte Funktionsweise muss eine Verbindung mit dem lokalen WLAN-Netz bestehen. Die App scannt dann den Router und erstellt eine Liste mit allen verbundenen Geräten. Danach kann der Nutzer die Liste nach verdächtigen Geräten durchsuchen. Ein Tipp für solche Apps ist der Netzwerk-Scanner Fing (Link zu Google Play).

Tipps von der Netzagentur

Darauf sollten Verbraucher*innen beim Kauf der genannten Produkte besonders achten:

  • Verfügt das Produkt über eine funkfähige Kamera oder ein funkfähiges Mikrofon
  • Werden Bild- oder Audiodateien kabellos an Dritte übertragen, ohne dass der Aufgenommene davon Kenntnis oder die Aufnahmesituation unter Kontrolle hat?
  • Kann auf das Mikrofon oder die Kamera heimlich von extern zugegriffen werden? 

In all diesen Fällen ist das Produkt verboten. Die Bundesnetzagentur rät Verbraucherinnen und Verbrauchern, sich vor dem Kauf von vernetzten Alltagsgegenständen über deren genaue Funktionsweise zu informieren. Außerdem ist zu empfehlen, die Produktbeschreibung und Datenschutzbestimmungen der dazugehörigen Apps genau zu prüfen.

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