• ZDF-Doku prangert Lidls "Verkaufstricks" an - dabei handelt es sich um in der Branche gängige Maschen
  • Supermärkte und Discounter wenden lange erprobte psychologische Tricks an, um unser Kaufverhalten zu manipulieren
  • Vom köstlichen Duft frischer Backwaren über zu große Einkaufswagen, von der bekannten Streck- und Bückware bis hin zur Süßigkeiten-Falle an der Kasse
  • Wohlfühl-Atrmosphäre und Dudel-Musik sollen zum Verweilen einladen
  • Hier sind die häufigsten Psycho-Tricks der Supermärkte

Die ZDF-Doku "Lidl: Die Insider – Verkaufstricks beim Discounter-Riesen" macht Lidls "Verkaufstricks" öffentlich - tut dabei aber so, als sei der Discounter der einzige, der derartige Psycho-Maschen anwendet. Dabei tun das alle: Wer seinen Einkauf im Supermarkt nicht sorgfältig plant, kauft in der Regel mehr, als er tatsächlich benötigt. An der Kasse ist der Einkaufswagen mit doppelt so vielen Produkten gefüllt, wie eigentlich geplant. Doch wieso passiert uns das immer wieder? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Die Supermärkte manipulieren uns. Klar ist: Supermärkte wollen Gewinn machen - und das so effizient wie möglich. Das Ziel ihrer Kunden ist das Gegenteil: Sie wollen möglichst viele Produkte für möglichst wenig Geld erwerben. Im Laufe der Zeit haben die Supermarkt-Riesen verschiedene psychologische Tricks etabliert - teils schon seit vielen Jahrzehnten! -, um unser Unterbewusstsein zu manipulieren und dadurch unser Kaufverhalten zu beeinflussen.

Die Lidl-Doku im ZDF: Das machen doch alle!

In der ZDF-Doku "Lidl: Die Insider – Verkaufstricks beim Discounter-Riesen" treten diverse "Kronzeugen" auf, die dem Discounter in recht anklägerischem Ton verschiedene "Verkaufstricks" vorwerfen, die Lidl-Kunden dazu bringen sollen, mehr Geld im Laden zu lassen. Die für die Kamera unkenntlich gemachten "Insider" plaudern vermeintlich aus dem Nähkästchen der fiesen Lidl-Tricks, wärmen dabei aber doch nur uralte Psycho-Maschen auf, die in allen Supermärkten und Discountern Deutschlands seit Jahren oder gar Jahrzehnten gang und gäbe sind.

Was viele nicht wissen: Lidl ist der erfolgreichste Discounter Deutschlands. Erfolgreicher als Aldi. 91.000 Angestellte arbeiten allein hierzulande in rund 3.200 Filialen. Mehr als 100 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften die 11.550 Lidl-Filialen in 32 Ländern weltweit pro Jahr. Die Tricks, die das ZDF dem Discounter vorwirft, umfassen unter anderem die folgenden:

  • Die Einkaufswagen sind extra groß gebaut. Zudem ist der Boden leicht schräg, sodass die Ware, die im Einkaufswagen landet, aus dem Blickfeld der Kund*innen rutschen soll. Das ist indes nicht neu und auch kein "Lidl-Trick", das machen alle größeren Supermärkte seit Urzeiten so - der Marketing-Bestseller "Die geheimen Verführer" schilderte dieses Vorgehen bereits im Jahr 1957.
  • Obst, in diesem Beispiel Bananen, würden von Lidl noch grün eingekauft, als unreif, würden dann verschifft und für den Verkauf künstlich nachgereift: ein in der Branche durchaus üblicher Vorgang.
  • Lidl ahme Markenprodukte nach oder kaufe Produkte von Markenherstellern auf, um diese anschließend unter einem anderen, ähnlichen Namen billiger an die Kunden zu verkaufen - das ist bei nahezu allen Eigenmarken aller Supermärkte und Discounter der Fall.
  • Die Doku wirft Lidl vor, der Discounter bringe Preisschilder absichtlich so an, dass Kund*innen verwirrt würden und erst auf den zweiten Blick feststellen könnten, wie teuer das gewünschte Produkt tatsächlich sei. Das Spiel mit den Preisschildern (Stichwort: Streck- und Bückware, siehe unten) treibt sicher nicht nur Lidl.
  • Zuletzt noch zum Thema Tierwohl, genauer gesagt der "Haltungsform": Lidl druckt "Haltungsform 2" auf Verpackungen, offenbar, um Kund*innen ein besseres Gefühl beim Fleischkauf zu geben. Schließlich gibt es nichts Schlimmeres als Haltungsform 1. Mag schon sein, dass dadurch einige Menschen ein besseres Gewissen beim Einkauf haben, aber die Haltungsform wird auch in anderen Märkten zunehmend thematisiert. Wer sich dafür interessiert, sollte sich die Haltungsformen 1-4 einmal genauer anschauen, aber Vorsicht: Da vergeht einem ganz schnell der Appetit. Denn selbst Haltungsform 4 ist ganz weit entfernt von dem Tierparadies, als das sie offiziell gerne dargestellt wird.

Mit diesen 8 Tricks wollen Supermärkte uns manipulieren

Trick 1: Frische Backwaren im Eingangsbereich

Es gibt heute kaum einen Discounter oder Supermarkt ohne eine kleine Bäckerei oder eine Backstation. Häufig befinden sich diese im Eingangsbereich oder in der Nähe der Kasse. Der Trick dahinter: Die frischen Backwaren verbreiten angenehme Gerüche, wenn wir den Laden betreten, und wir bekommen Appetit - wer hungrig einkauft, der kauft mehr.

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Trick 2: Zu große Einkaufswagen, die gefüllt werden sollen

Die Einkaufswagen in Supermärkten sind oft viel zu groß, und kleine Körbe gibt es, vor allem in Discountern, häufig nicht. Die Produkte gehen im riesigen Einkaufswagen oft regelrecht unter. Wenige Artikel im großen Einkaufswagen geben uns das Gefühl, mehr einkaufen zu müssen. Tipp: Für kleine Einkäufe reichen ein Stoffbeutel oder ein Einkaufskorb völlig aus.

Trick 3: Wohlfühlatmosphäre mit angenehmer Temperatur und schöner Musik

Warum die Obst- und Gemüseabteilung meist ziemlich am Anfang eines Ladens aufgebaut ist? Die bunt leuchtenden, frischen Lebensmittel haben eine angenehme Wirkung auf uns. Unser Unterbewusstsein reagiert aber auf noch viel mehr beim Einkauf: So wird im Supermarkt meistens Musik gespielt, die uns entschleunigen soll. Der Kunde soll dadurch mehr Zeit im Markt verbringen. Übrigens: In Neuseeland gibt es ein Supermarkt-Konzept, bei dem bewusst auf Musik verzichtet wird. Was dahinter steckt, liest du hier. Auch die Temperatur spielt im Supermarkt und Discounter eine entscheidende Rolle: Die Temperatur im Laden liegt konstant bei 19 Grad. So ist es weder zu kalt, noch zu warm.

Trick 4: Die Streck- und Bückware

Wer träge ist, sich beim Einkaufen nur ungern streckt oder bückt, zahlt am Ende mehr. Das zeigt ein regelrechter Klassiker der Supermarkt-Fallen. Denn auf Augenhöhe liegt lediglich Markenware. Die sogenannte Streck- und Bückware ganz oben und ganz unten im Regal ist zwar preiswerter, aber nur schwer zu erreichen. Wer es eilig hat, nimmt oft nur die Ware auf Augenhöhe wahr.

Trick 5: "Sonderangebot" - bunte Hinweise lenken unser Kaufverhalten

Supermärkte locken mit angeblichen Sonderangeboten: Rote oder gelbe Preisschilder deuten nicht zwingend auf Preisreduzierungen hin, auch wenn es für uns so aussieht. Auch Bezeichnungen wie "handverlesen" oder "nach spezieller Rezeptur" oder "Top-Wein-Empfehlung" weisen oftmals nicht auf bessere Produkte hin, sondern sollen lediglich zum Kauf animieren.

Trick 6: Regelmäßige Umgestaltungen

In regelmäßigen Abständen wird umgeräumt und am "perfekten" Supermarkt gearbeitet. Das hält die Einkaufs-Erfahrung frisch, Kunden verbringen mehr Zeit im Markt und werden aus ihrer Routine gerissen, stolpern also möglicherweise über Produkte, an denen sie früher immer vorbeigelaufen wären. In vielen Supermärkten haben sich mittlerweile auch sogenannte Kundenstopper etabliert. Darunter versteht man Körbe und kleine Ausstellungsinseln, die mitten im Gang platziert sind. So zum Beispiel Zutaten zum Plätzchenbacken während der Weihnachtszeit oder Schoko-Nikoläuse.

Trick 7: "Quengelware" direkt an der Kasse

Von Schokoriegeln über alkoholische Getränke und Kondome bis hin zu Batterien - beim Anstehen an der Kasse packen wir oftmals noch Dinge aufs Band, die wir eigentlich gar nicht kaufen wollten. Aber Batterien kann man schließlich immer brauchen, oder? Die Supermarktbetreiber platzieren diese Produkte bewusst an der Kasse - und Süßigkeiten häufig auf Höhe der Kinderaugen. Doch nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene lassen sich an der Supermarktkasse gerne zum Kauf verleiten.

Trick 8: Vorgetäuschte Qualität durch veraltete oder überflüssige Siegel

Neben Bio- oder Fairtrade Siegeln gibt es auch vermeintliche Gütesiegel, die weniger aussagekräftig sind. Hat ein Produkt vor einigen Jahren einen Test mit "gut" bestanden, erfahren wir nicht, ob vergleichbare Produkte möglicherweise noch besser abgeschnitten haben oder ob die aktuelle Version dieses Produkts noch dieselbe Qualität aufweist. Darüber hinaus gibt es Label, die als umstritten gelten oder überhaupt keine geprüften Siegel sind. Sie sollen lediglich Qualität suggerieren - damit wir das Produkt kaufen.

 

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