• Asteroid 2009JF1: Übertriebener Medienrummel seit zwei Jahren
  • Einschlag im Mai 2022 wird mit Apokalypse und Atombombe gleichgesetzt
  • Aus diesen Gründen sollten die Bälle flach gehalten werden
  • Beschäftigung mit der Gefahr von Asteroiden ist dennoch berechtigt

Auch als Asteroid hat man es nicht leicht: Ist der Ruf erst ruiniert, wird man die schlechte Presse kaum wieder los. Das musste und muss 2009JF1 erfahren, der seit zwei Jahren als Bedrohung der Menschheit im Internet angekündigt wird. Er ist übrigens nur gut 13- bis 15 Meter groß - und nicht, wie noch Ende 2019 von zahlreichen Medien behauptet, 130 Meter. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob der Einschlag eines 15 Meter großen oder 130 Meter großen Objekts bevorsteht. Aber selbst bei 130 Metern würde noch nicht das Ende der Welt drohen: Der Asteroid, der die Dinosaurier hinwegraffte, war immerhin 10-15 Kilometer groß. Und selbst damals haben viele Lebewesen den Einschlag und den jahrelangen Winter danach überlebt. 

Der Wink mit der Atombombe

Nun ist 2009JF1 also nur knapp 15 Meter groß - und damit vergleichbar mit jenem Meteoriten, der am 15. Februar 2013 über Tscheljabinsk niederging und bei dessen Explosion in der Atmosphäre rund 1500 Menschen verletzt wurden - vor allem durch zersplittertes Glas. Sicher, ein solches Ding möchte ich nicht auf mein Heim landen sehen - vor allem, wenn ich gerade drin sitze. Aber von einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes und "Schlimmer als Atom-Katastrophe" zu schreiben? 

Noch dazu suggerieren viele Medien, dass der Einschlag von 2009JF1 praktisch sicher ist. Von "Asteroid rast auf Erde zu: Schlägt er schon im Jahr 2022 ein?" über "Asteroid rast auf Erde zu – Aufprall wie Atom-Katastrophe" hin zu "EINSCHLAG IM MAI 2022? ASTEROID RAST AUF ERDE ZU". Es folgen dann absatzweise Erläuterungen, wie gefährlich der Asteroid sei und welche Sprengkraft er hätte. Diese wird dann gerne mit der Hiroshima-Bombe verglichen, was nach reiner Sprengkraft 17 solcher Atombomben entspreche und logischerweise furchtbare Assoziationen an die abertausenden Toten der japanischen Stadt weckt. Dabei wird völlig verschwiegen, dass der überwiegende Teil diese Menschen an der Strahlung und nicht durch die Explosion starb. 

Und dann, meist irgendwo ganz am Ende des Textes, wird dann noch der scheinbar unbedeutende Fakt vermeldet, dass der Asteroid nach allem, was bisher bekannt ist, die Erde immer noch deutlich verfehlen wird. Und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 99,97 Prozent. 

Die Gefahr ist dennoch real

Dabei sind Asteroiden und andere Himmelskörper tatsächlich äußert spannende Objekte, die es verdienten hätten, dass man sich auch in der Öffentlichkeit mehr ihnen beschäftigt. Und tatsächlich ist es auch so, dass ein katastrophaler Asteroiden-Einschlag kein Hirngespinst, sondern ein real existierende Gefahr ist.

Nicht umsonst verwenden Weltraumorganisationen wie die NASA erhebliche Mittel darauf, solche Objekte zu identifizieren und Pläne zur Asteroidenabwehr zu entwickeln. Aber: So real die Gefahr eines Einschlags in den nächsten hunderten oder tausenden Jahren ist, so sicher ist auch: 2009JF1 wird es nicht sein.