Das Projekt begann mit einer am Mittwoch gestarteten Online-Befragung, bei der sich die Wissenschaftler rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhoffen. Anschließend sollen mit einer Auswahl von etwa 30 Menschen in rund zehn Familien Tiefeninterviews geführt werden. Die Ergebnisse sollen voraussichtlich im Juni nächsten Jahres vorgestellt werden.

Das Projekt knüpfe an eine Studie aus dem Jahr 2020 an, die mit 49 Beteiligten aus Rheinland-Pfalz allerdings nur begrenzte Aussagekraft für das Bundesland habe, sagte Inka Engel von der Universität Koblenz. Diese Studie mit der Bezeichnung «Memo Deutschland - Multidimensionaler Erinnerungsmonitor» kam zu dem Ergebnis, dass deutschlandweit nahezu 68 Prozent der Befragten verneinten, dass ihre Vorfahren als Täter an NS-Verbrechen beteiligt gewesen seien. Mehr als 50 Prozent verneinten, dass unter ihren Vorfahren Mitläufer des NS-Regimes gewesen seien.

Hering sprach dabei von einer Schutzwand und sagte: «Es gibt eine Reihe von Familien, die wollen über diese Zeit nichts wissen.» Der Landtagspräsident fügte hinzu: «Wenn sich das durchsetzt im kollektiven Bewusstsein, dann wird die Substanz der Erinnerungskultur verloren gehen.» Dies sei die Motivation für den Forschungsauftrag gewesen, für den der Landtag 150.000 Euro bereit gestellt habe.

Begleitet wird das Forschungsprojekt, das auch gezielt die Erinnerung in jüdischen Familien sowie in Familien mit Migrationserfahrung in den Blick nimmt, von einem wissenschaftlichen Beirat. Daran wirken Wissenschaftler der privaten Touro University Berlin mit, die zu einem Netzwerk von Hochschulen in den USA gehört.