Er setzte sich für sein Volk ein und bestand dabei auf das Recht: In Ulm erinnert künftig ein Platz an den Kameruner König Rudolf Duala Manga Bell, der von den deutschen Kolonialherrschern im 19. Jahrhundert hingerichtet wurde. Baden-Württembergs Justizministerin Marion Gentges (CDU) bezeichnete Manga Bell bei der Einweihung des Platzes am Freitag als «großen Kämpfer für das Recht, vor dem ich mich verneige».

Der Rudolf-Duala-Manga-Bell-Platz ist mit Bezug auf das Unrecht, das Manga Bell widerfuhr, zwischen dem Landgericht und der Staatsanwaltschaft in Ulm angesiedelt. Der Ulmer Gemeinderat hatte sich nach einer Initiative des SPD-Politikers Martin Rivoir zur Benennung des Platzes entschieden. Der Platz sei auch ein Ort der Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte, sagte die Ministerin. Zugleich erinnere der Platz daran, dass Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeit sei.

Der 1873 geborene Manga Bell ging zwischen 1891 und 1897 in Aalen und Ulm zur Schule. Als späterer König des Kameruner Duala-Volkes prangerte er gegenüber den deutschen Kolonialherrschern unter anderem Zwangsarbeit, willkürliche Verhaftungen und Prügelstrafen an. Auch bestand er auf rechtliche Zusagen gegenüber seinem Volk und richtete sich damit an den deutschen Reichstag. In der Folge wurde Manga Bell nach einem Scheinprozess verurteilt und 1914 hingerichtet. In Kamerun gilt er heute als Volksheld.

Eine Stele auf dem neu benannten Platz erinnert an den ehemaligen Bürger der Stadt und erläutert seine Lebensgeschichte. Zur feierlichen Einweihung waren auch König Jean-Yves Eboumbou Douala Bell aus Kamerun sowie der Urgroßneffe von Manga Bell, Jean-Pierre Félix-Eyoum, nach Ulm gekommen. Félix-Eyoum dankte der Stadt für «ihren Mut und ihre Entschlossenheit» zur Benennung des Platzes. Mit einer Petition an den Deutschen Bundestag möchten die Nachkommen Manga Bells zudem erreichen, dass dieser rehabilitiert wird und die Bundesregierung seine Unschuld anerkennt.