Der ADAC hat am Montag, dem 21. Februar, den Mobilitätsindex für Rheinland-Pfalz veröffentlicht, in dem über die Verkehrssituation im Bundesland berichtet wird. Allgemein sieht die Lage in Rheinland-Pfalz überwiegend positiv aus, doch manche Bereiche könnten noch verbessert werden. 

Die einzigartige geografische Lage von Rheinland-Pfalz bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Pendeln, ein Thema, das ein wichtiger Bestandteil der Reportage ist. Es wurde auch über die ÖPNV-Netzwerke im Bundesland geschrieben. 

Pendler*innen haben die Macht im "PKW-Land" 

Eine Sache ist klar: Rheinland-Pfälzer*innen lieben ihre Autos. Das hat der ADAC nun statistisch auch bestätigt. Nur das Saarland hat eine höhere Motorisierungsquote als Rheinland-Pfalz, wo sich viele für das Autofahren entscheiden. Das hat laut dem diesjährigen Mobilitätsindex mehrere Gründe.

An erster Stelle steht die geografische Lage von Rheinland-Pfalz, denn diese stellt eine Verkehrsachse im Zentrum Europas dar. Rheinland-Pfalz, durch seine Lage, profitiert von kurzen Wege zu mehreren Ländern und Bundesländern, darunter Frankreich, Luxemburg und Belgien sowie die wirtschaftlich starken Regionen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Großstädte wie Köln, Frankfurt am Main und Mannheim liegen nur weniger Kilometer von den Grenzen zu Rheinland-Pfalz entfernt und das bietet zahlreiche Möglichkeiten, mit dem Auto zu pendeln.

Die Nutzung des PKWs ist gerade in den ländlichen Gebieten besonders stark. In ländlichen Gebieten wie in den Mittelgebirgen der Eifel, des Hunsrücks und des Westerwalds ist die Motorisierungsquote besonders hoch. Diese Gebiete sind durch die Landesstraßen und Autobahnen der Regionen mit den wirtschaftlichen Zentren Mainz, Ludwigshafen und Koblenz gut verbunden.

PKW-Fahrer*innen in Rheinland-Pfalz fahren nicht nur im Allgemeinen öfter, sie fahren auch länger im Vergleich zu Bewohner*innen anderer Bundesländer. Die teilweise große Entfernungen zu Groß- und mittelgroßen Städten bedeutet, dass viele länger fahren müssen, um benachbarten Städte zu erreichen. Das führt zu einer hohen Kilometerleistung.

Aber ein positiver Aspekt der ländlichen Struktur in Rheinland-Pfalz wurde vom ADAC betont, und zwar: Es komme in RLP zu weniger Staus als in anderen Bundesländern. Obwohl der intensive PKW-Verkehr in Rheinland-Pfalz für einen sehr hohen Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen sorgt, sind die Belastungen mit Luftschadstoffen vergleichsweise moderat, besonders in den Großstädten, wo es gute ÖPNV-Möglichkeiten gibt.

ÖPNV-Angebote in den Städten stark vertreten 

Anders als in anderen Bundesländern seien die ÖPNV-Angebote in den ländlichen Regionen Rheinland-Pfalz beschränkter. Für den Bahnverkehr sind zwei Verbindungen besonders wichtig, heißt es im Mobilitätsindex: die Rheinschiene zwischen Mainz und Koblenz und die Moselstrecke zwischen Köln und dem Saarland. Diese zwei Strecken werden häufig benutzt. Aber außer dieser Strecken, besonders im westlichen Teil des Bundeslandes, sind ÖPNV-Angebote, besonders mit Blick auf die Bahn, fast gar nicht existent. Das führt dazu, dass Menschen in dieser Region fast dazu gezwungen sind, mit dem Auto zu fahren.

Aber die Prognose in diesem Bereich sieht etwas positiver aus. Laut dem Mobilitätsindex wird das Busangebot in schwach besiedelten Räumen ausgebaut und die Anzahl an ÖPNV-Platzkilometern auf der Schiene wird um sieben Prozent erhöht.

Trotz der hohen Abhängigkeit von PKW-Fahrten im Land ist die allgemeine Anzahl der Verkehrstoten um 21 Prozent gesunken. Das hatte positive Folgen für die Verkehrssicherheit im Bundesland.

Zu diesem Thema sagte Dr. Volker Kettenring, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik beim ADAC Pfalz, "Nachhaltige Mobilität braucht nicht nur alternative Antriebsformen, sondern auch einen wirklich attraktiven öffentlichen Nahverkehr, sowohl hinsichtlich der Fahrpreise wie auch der Verbindungen." 

So sieht die Zukunft des Verkehrs in RLP aus 

Mit Blick auf die Zukunft betrachtet der ADAC die allgemeine Verkehrslage in Rheinland-Pfalz überwiegend positiv, besonders hinsichtlich der Verkehrssicherheit. Besondere Aufmerksamkeit soll die enge überregionale Verflechtung bekommen. Leistungsfähige und länderübergreifende ÖPNV-Angebote sollten in den Fokus rücken, um Staus zu vermeiden, vor allem hinsichtlich der Pendlerströme Richtung Köln und dem Rhein-Main-Gebiet. Das könnte dazu führen, dass die Nachhaltigkeitsbemühungen nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch in den angrenzenden Bundesländern verbessert werden können.

Wichtige Statistiken im Überblick 

Wie sehen die Datenansätze aus dem Mobilitätsindex aus? In der Reportage des ADAC sind mehrere Statistiken vorhanden, die die Nachhaltigkeit und die allgemeine Lage des Verkehrs in Rheinland-Pfalz zeigen.

Wie oben erwähnt, hat RLP die zweithöchste Pkw-Dichte Deutschlands. Mit einer Anzahl von 616 Pkw/1.000 Einwohner*innen hat nur das Saarland mehr Autos pro Einwohner*innen. Diese Zahl liegt über dem bundesweiten Durchschnitt von 575 Pkw/1.000 Einwohner*innen. Berlin hat die kleinste Pkw-Dichte in der ganzen Bundesrepublik mit nur 330 Pkw/1.000 Einwohner*innen.

Rheinland-Pfälzer*innen sind auf dem vierten Platz bei der Pkw-Fahrleistung. Der durchschnittliche Autofahrer im Land fährt 12.391 Kilometer/Jahr. Der höchste Wert geht an Mecklenburg-Vorpommern mit 13.079, der niedrigste wieder an Berlin mit nur 9.531 Kilometer/Pkw im Jahr.

Im Bereich ÖPNV entscheiden sich viele in RLP für das Auto statt den Bus oder die Bahn. Mit nur 3.508 gefahrene Platzkilometern pro Einwohner*in liegt RLP an der dreizehnten Stelle für ÖPNV-Nutzung. Die Saarländer*innen fahren am wenigsten mit dem ÖPNV (2479 Kilometer/Einwohner*in), während die Einwohner*innen von Hessen die meisten Kilometer mit dem ÖPNV fahren (24.153 Kilometer/Einwohner*in).

Glücklicherweise liegt Rheinland-Pfalz auch unter dem Durchschnitt für Unfälle mit Personenschäden mit 3,53 solcher Unfälle pro 1.000 Einwohner*innen. Das Autofahren ist in Thüringen am Sichersten (2,73), während man in Bremen am meisten aufpassen muss (4,65). Rheinland-Pfalz liegt im bundesweiten Durchschnitt für Verkehrstote bei 0,037 Toten pro 1.000 Einwohner*innen. Hier ist Berlin an der ersten Stelle mit nur 0,011 Verkehrstote, während sich Sachsen-Anhalt an der letzten Stelle befindet (0,062 Verkehrstote).

Wenn es in RLP zu Staus kommt, sind sie oft ziemlich kurz mit einer Durchschnittslänge von nur 44,3 Kilometern (Bundesdurchschnitt: 108,3 Kilometer). Thüringen hat die kürzesten Staus (13,2 Kilometer) und Berlin hat die längsten (453,6 Kilometer).

Letztendlich muss Rheinland-Pfalz laut der Statistiken noch weiter am Einsatz von Elektroautos arbeiten. Nur 0,85 Pkw/1.000 Einwohner*innen sind E-Autos. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 1,00, wobei Mecklenburg-Vorpommern die kleinste Anzahl an E-Autos hat (0,39) und Bayern die höchste Zahl (1,53).