Stress, Überlebenskampf und schwere körperliche Arbeit hinterlassen Spuren an und in jedem Körper. So haben auch die hart arbeitenden Helfer*innen im Ahrtal zunehmend mit der Belastung zu kämpfen. Und: Je länger die Belastungen andauern, desto stärker können die Funktionen des Körpers und des Nervensystems eingeschränkt werden.

Gerade deshalb weckte die Hochwasserkatastrophe im Juli, bei der im Ahrtal und anderen Gebieten große Schäden entstanden, bei den "Chiros For Heroes" das starke Bedürfnis, die Held*innen vor Ort zu unterstützen. Bei der Gemeinschaft handelt es sich um einen Zusammenschluss von Chiropraktiker*innen, die ihre Hilfe in Krisensituationen ehrenamtlich zur Verfügung stellen

Schon über vier Einsätze im Hochwassergebiet - mehr als 500 "Justierungen" für Helfende

Schon nach den ersten Schreckensbildern aus  dem Katastrophengebiet war Tobias Kadow, einem der ersten Mitglieder der deutschen "Chiros for Heroes", klar: "Wir müssen irgendetwas machen!" Zwei Wochen intensive Planung und Gespräche mit Zuständigen vor Ort später haben die "Chiros For Heroes" bereits vier Einsätze im Hochwassergebiet mit sieben Chiropraktiker*innen und über 500 Justierungen hinter sich.

Als "Justierung" bezeichnen Chiropraktiker*innen ihre Tätigkeit, bei der mit verschiedenen Techniken ausgleichend auf das Nervensystem eingewirkt wird. 

Im aktuellen Fall der Hochwasserkatastrophe arbeiten Menschen aus allen Bereichen seit mehreren Wochen intensiv körperlich, in vielen Fällen weit über ihre eigentlichen Kräfte hinaus, und unter oft schwersten psychischen Belastungen: Sie bedienen schweres Gerät, schippen den ganzen Tag Schlamm, arbeiten in Eimerketten, entkernen Haus um Haus und vieles mehr.

Unter den Helfenden sind die unterschiedlichsten Menschen - Feuerwehrleute, Rettungskräfte, Polizist*innen, Bundeswehrsoldat*innen und in unglaublich großer Zahl auch freiwillige private Helfer*innen.  

Hier kommen die "Chiros For Heroes" ins Spiel und behandeln alle im Flutgebiet arbeitenden Menschen, die Bedarf nach ein wenig Erholung verspüren. Ihre Motivation? "Dieser besondere Gesichtsausdruck beim Erleben, wie schnell sich unser körperliches System wieder reguliert und rebootet – unbezahlbar". 

Die "Chiros For Heroes" leisten ihre Unterstützungsarbeit freiwillig und unentgeltlich. Über ihre aktuellen Einsätze und die Arbeit im Flutgebiet informieren die "Chiros" auch auf ihrer Facebook-Seite.

Initiative nach amerikanischem Vorbild - der Ursprung der "Chiros for Heroes"

Die "Chiros For Heroes" sind bereits aus einer Krise entstanden: Die Gemeinschaft hat ihren Ursprung in der Katastrophe von 9/11. Damals gingen die Chiropractor*innen mit ihren Liegen auf die Straßen, um die seit Tagen vor Ort kämpfenden Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und alle weiteren Helfenden am "Ground Zero" zu justieren.

Diese Hilfe für Helfende leisteten einige der Chiropractor*innen bis Dezember 2001 vor Ort. Damit war dies die größte und bislang längste chiropraktische Notfallhilfe der US-Geschichte.

In Deutschland kamen die "Chiros For Heroes" zum ersten Mal beim Elbe-Hochwasser in Lauenburg 2013 zum Einsatz. Sechs Chiropraktiker*innen aus dem ganzen Bundesgebiet nahmen damals spontan die Idee der Kolleg*innen von 9/11 auf und gründeten die erste chiropraktische Hilfsgruppe Deutschlands.

Chiropraktik - was ist das eigentlich?

Chiropraktik als ganzheitliches Regulationssystem, dessen Fokus auf dem Nervensystem liegt, ist in vielen Fällen geeignet, die Auswirkungen von Stress und schwerer körperlicher Belastung auszugleichen. Dieses sogenannte "Justieren" können Chiropraktiker*innen an jedem beliebigen Ort allein mit ihren Händen und ihrem Wissen vornehmen. Hilfsmittel sind dabei nicht zwingend nötig, lediglich eine Liege ist von Vorteil. Das macht den Einsatz von Chiropraktiker*innen in Krisensituationen so effektiv.