• Kreative Idee: Flutbier als Hilfe für die Gastronomie im Ahrtal
  • Pro Bierkiste gehen 4 Euro an flutbetroffene Gastronomen
  • Prominente Unterstützung des Flutbiers

Die Flutkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021 im Ahrtal hat die Menschen dort katastrophal getroffen. Viele sitzen noch immer vor den Trümmern ihrer Existenz. Auch Gastronomen leiden noch immer an den wirtschaftlichen Folgen. Doch nicht nur die Flutkatastrophe, auch die Coronaregeln brachten die Gastronomen um ihr Einkommen. Doch jetzt gibt es eine neue Idee: Nach dem Flutwein kommt nun die Idee des Flutbieres.

Flutbier soll Gastronomen im Ahrtal helfen

Schon das Vorgängerprojekt "Flutwein" war erfolgreich. Es handelt sich hierbei um eine sehr lukrative Hilfsaktion für Weingüter und Restaurants im Katastrophengebiet. Die "Flutwein"-Kampagne ist eine Idee des Ahrwein-Vereins und örtlichen Gastronomen. 2,5 Millionen Euro habe man durch den Verkauf von der Flut verschlammten Weinen eingebracht.

Die Idee des Flutbiers entwickelte sich aus der Idee des Flutweins. Michael Juchem erzählt überzeugt: "Wenn es Flutwein gibt, kann es auch Flutbier geben". So sei in kürzester Zeit von Juchem und seinen Partnern ein gesamtes Corporate Design entworfen worden. Zudem hat ein freiwilliger Helfer, Leonhard Böß, eine Responsive Website erstellt um das Projekt online zu präsentieren und zu bewerben. 

Außerdem solle das Ahrtal nicht in Vergessenheit geraten, denn die Hilfe reiche noch lange nicht aus. Die Überlegungen sollten gezielt eingesetzt werden: "Wie können wir nachhaltig, langfristig und sinnvoll etwas Gutes tun und unterstützen und auf die Sache aufmerksam machen, damit das Ahrtal nicht in Vergessenheit gerät", fragt Michael Juchem.

Alle Unkosten selbst gestemmt - Millionen Euro einfach weggeschwemmt

Viele Kund*innen des Getränkegeschäfts waren von der Flutkatastrophe betroffen, auch das Personal. Um Kund*innen weiterhin Getränke und dem Personal eine Perspektive zu bieten, haben Michael Juchem, Leonhard Böß und sein Team direkt wieder mit einer Idee losgelegt.

Denn auch Michael Juchem, Chef der Getränke Michel GmbH, ereilte ein katastrophales Schicksal in der Flutnacht im Ahrtal. Denn mit dem Flaschenpfand wurden Millionen Euro einfach weggeschwemmt. Sein Getränkemarkt befindet sich im Gewerbegebiet Heimersheim und deckt den Getränkebedarf zwischen Heimersheim und Sinzig ab. 

Etikette, Vermarktung und noch vieles mehr musste besprochen werden

Die erste Aufgabe bestand darin, eine Brauerei und das passende Bier zu finden: "Wir haben dann eine Brauerei gesucht, die uns nach unseren Vorstellungen Muster gemacht hat, wie das Bier schmecken soll", verrät der Gründer. Etikette, Vermarktung und noch vieles mehr musste besprochen werden. 

Um die ersten Investitionen zu tätigen, griffen der Gründer und sein Team tief in den Sparstrumpf: "Wir mussten eigene Kisten kaufen, wir mussten eigenen Flaschen kaufen, eigene Labels, Etikette und Kronkorken drucken." Es seien weit über 50.000 Euro gewesen, erklärt Michael Juchem. Und das, obwohl in seinem Unternehmen in der Flutnacht ein Schaden von weit über einer Million Euro entstanden sei. Zudem sei das Leergut kontaminiert gewesen: "Wir haben über 50.000 Kisten in die Vernichtung fahren müssen, weil sie durch die Flut unverkäuflich waren", berichtet Juchem. 

Flutbier: Eine Idee, um finanziell zu überleben

Es sei auch eine Idee, um überleben zu können. Denn nach der ersten finanziellen Hilfe kam nichts mehr: "Wir haben bis zu dem heutigen Tag keine weitere Unterstützung außer die Soforthilfe bekommen", erzählt der Geschäftsführer.

In der Region habe man keine Brauereien finden können, die die nötigen Kapazitäten zur Verfügung stellen konnten. Michael Juchem und eine Brauerei aus Koblenz schlossen sich letztendlich zusammen. Die Inhaber der Koblenzer Brauerei seien von dem Projekt "Flutbier" begeistert gewesen. 

Prominente Partner und Spenden für alle

Große Begeisterung gab es auch in der rheinland-pfälzischen Wirtschaftspolitik. Bei einem Gespräch mit der Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt aus Rheinland-Pfalz habe Juchem seine Idee des Flutbiers eingeworfen. Die Ministerin war Feuer und Flamme und habe als nächsten Schritt die Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei einem Telefonat involviert. 

Zusätzlich engagiert sich die DEHOGA, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband e. V) und brachte die bürokratische Organisation und Verteilung der Spenden voran. Die Erlöse sollten in einem Fonds gesammelt werden.

Gastronomen, die kein Mitglied der DEHOGA sind, werde man bei den Spenden gleichwertig unterstützten. Wann die Spenden an die Gastronomen weitergeleitet werden, sei noch nicht ausgeklügelt, doch auf eine transparente Spendenverteilung werde Wert gelegt.

Michael Juchem: "Bis der letzte Gastronom seine Türen öffnet, werde ich diese Idee verfolgen"

Das Projekt ist langfristig angelegt. Der Geschäftsführer gehe von mindestens fünf bis zehn Jahren aus. In ein paar Monaten werde die Idee zu einer sogenannten Schutzmarke. Die Marke ist mittlerweile beim Deutschen Marken- und Patentamt eingetragen. "Bis der letzte Gastronom seine Türen öffnet, werde ich diese Idee verfolgen", betont er im Gespräch gegenüber inRLP.de.

Aktuell arbeite man mit 10 bis 15 Händlern im Umkreis von 50 Kilometern zusammen, die das Flutbier seit dem 1. Mai 2022 verkaufen.

Sowohl im Laden als auch im Onlineshop "Local Trade" kannst du das Flutbier kaufen und somit das Ahrtal unterstützen. Die Händler und den Onlineshop findest du hier