• Wasser-Spendenaktion für Wohnungslose in Mainz
  • Aktion wurde fest ins Malteser-Förderungsprogramm aufgenommen
  • Insgesamt wurden 4.000 Liter Wasser verteilt

Aktuell steigen die Temperaturen in Rheinland-Pfalz weit über 30 Grad. Bei dieser Hitze lässt es sich ohne genügend Trinkwasser nicht aushalten, es kann sogar lebensbedrohlich werden. Dass Wasser in Deutschland ist immer noch ein teures Gut ist, fällt vor allem den wohnungslosen Menschen auf, denn diese Menschen können sich das meistens nicht leisten.

Hilfe bei Trinkwassermangel für Obdachlose in Mainz

Um bei der anhaltenden Hitze im Sommer für Obdachlose für ausreichend Trinkwasser zu sorgen, rief Justin Weisang zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst e.V. in Mainz eine Wasser-Spendenaktion ins Leben. Im Jahr 2020 wurde der Grundstein der Hilfsaktion gelegt. Jetzt wird die Hilfsaktion wiederholt und offiziell von den Maltesern in Mainz gefördert. 

Während seines Dienstes als Notfallsanitäter sei Justin Weisang der Wassermangel für Wohnungslose in Mainz erstmals bewusst geworden. "Es hat mich erschrocken, da mir dieses Problem vorher nicht bewusst war", erzählt er betroffen. Damit Obdachlose aus Mainz nicht aus Brunnen oder dem Rhein Wasser trinken, um bei der Hitze nicht zu dehydrieren, rief Weisang die Wasser-Spendenaktion ins Leben. Das Wasser aus dem Fluss und den Brunnen könnte gerade bei solchen Temperaturen voller Keime und Bakterien sein und somit für mittellose Menschen lebensbedrohlich.

So ein Problem muss man angehen, dachte Weisang: "Man kann mit wenig Geld viel bewirken", sagt Justin heute hoffnungsvoll - das wurde in den letzten Jahren mit dem Hilfsprojekt bewiesen. Bis dato habe man schon 4.000 Liter Wasser verteilt.  Seit der ersten Wasser-Spendenaktion im Jahr 2020 wächst das Hilfsprojekt, wird verbessert und weiterentwickelt.

Eine "Brücke ohne Scham" für sauberes und genügend Trinkwasser

Schon im Jahr 2020 wurde die Wasser-Spendenaktion von Justin Weisang, Notfallsanitäter bei den Maltesern, in Zusammenarbeit mit einem REWE-Markt in Gang gebracht. Mittels Crowdfunding konnten damals über 1.000 Euro gesammelt und in Wasser-Spenden verwandelt werden. 

Das Wasser wurde vor der Corona-Pandemie noch persönlich an die Empfänger*innen in Mainz verteilt. Dieses Jahr wird die Spendenaktion in Mainz, angepasst an die Coronasituation, wieder aufgenommen. Das Wasser wird jetzt an zwei Anlaufstellen oder auch Tagestreffs geliefert, die den Wohnungslosen bekannt und vertraut sind. Bereits am Montag (18. Juli 2022) wurde die erste Wasserpalette mit 1.300 Flaschen an die beiden Stationen "Wohnsitzlos in Mainz" sowie "Armut und Gesundheit" ausgeliefert.

Standorte sollen zum "Fels in der Brandung" werden - Wohnungslose fragen aus Scham nicht nach Wasser

Durch die neue "Auslieferungsmethode" kann die Aktion weiterhin stattfinden sowie Kontakte und Infektionen des Covid-19 Virus verringert werden. Die Standorte sollen zum "Fels in der Brandung" werden, erläutert Justin Weisang. Man könnte die Standorte auch als Brücke sehen. Denn viele Obdachlose fragen in Restaurants oder bei Refill-Aktionen aus Scham nicht nach Wasser, es brauchte also diese "Brücke ohne Scham" zu sauberem Trinkwasser. 

Die Spendenaktion wird diesen Sommer noch ein zweites Mal stattfinden, da "das Wasser gerade Mal für zwei Wochen reicht", erklärt Dagmar Bauer (48), Pressereferentin der Malteser in Mainz, in einem Gespräch gegenüber inRLP.de. Zudem sei das "Spendenziel auf 1.500 Euro erhöht worden", damit diesen Sommer mittels Spenden eine weitere Wasserpalette ausgeliefert werden kann. 

Wohnungslose in Mainz: "Das Schlimmste im Sommer ist der Durst"

Wohnungslose in Mainz fürchteten sich regelrecht vor Trinkwasser-Mangel. Denn sie berichten Justin Weisang, dem Initiator der Wasser-Spendenaktion, ihre größte Sorge im Sommer: "Das Schlimmste im Sommer ist der Durst". 

Um diese Sorge zu minimieren, ist die Wasser-Spendenaktion in das organisationsinterne Förderungsprogramm  "Gewächshaus M" des Malteser Hilfsdienst e.V. in Mainz aufgenommen worden. Auch die Pressesprecherin Dagmar Bauer (48) bestätigt gegenüber inRLP.de, dass das Hilfsprojekt weiterhin von den Maltesern unterstützt wird, damit in Mainz niemand "Durst haben muss."

Justin Weisang, Notfallsanitäter aus Mainz: "Die halten zusammen, es ist eine Gemeinschaft"

Justin habe zudem direktes Feedback von den Empfänger*innen in Mainz erhalten: "Wir haben durchweg positive Rückmeldungen bekommen, aber auch direkte Verbesserungsvorschläge." Durch den direkten Austausch vor Ort konnte man beispielsweise Größe, Masse und Verpackung der Wasserflaschen optimieren, damit die Menschen ihr Wasser besser transportieren können.

Nach Weisangs Angaben sei aktuell, aufgrund der zahlreichen Spenden, "mehr als genug Wasser" vorhanden. Doch auch wenn die Spenden und das Wasser mal knapper würden, gäbe es keinen Streit zwischen den Empfänger*innen. Man erlebe vor Ort eher Rücksicht, Verständnis und gegenseitige Unterstützung: "Die halten zusammen, es ist eine Gemeinschaft", schildert Justin Weisang berührt über den Zusammenhalt von den Empfänger*innen.