Ein Jahr nach der Amokfahrt in Trier wurde an diesem Mittwoch, 1. Dezember, mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer erinnert. Im Fokus stand ein ökumenischer Gottesdienst im Trierer Dom, an dem vor allem Opfer, Angehörige und Rettungskräfte teilnahmen.

Erinnert wurde an die vier Minuten am 1. Dezember vergangenen Jahres, die das Leben vieler Menschen in Trier auf den Kopf gestellt haben und inzwischen bereits sechs Menschen das Leben kosteten. 

"Unbegreifliche Tat" mit vielen offenen Fragen

Der Jahrestag zum Gedenken der Opfer der Amokfahrt begann am Mittwoch, 1. Dezember, um 13:46 Uhr - der Uhrzeit, zu der vor einem Jahr die Amokfahrt begann. Die Domglocken läuteten vier Minuten lang. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) bat die Trierer, in diesen Minuten der Opfer schweigend zu gedenken.

Es bleibe bis heute eine "unbegreifliche Tat" mit vielen unbeantworteten Fragen, sagte Bischof Stephan Ackermann in einem ökumenischen Gottesdienst im Trierer Dom. "Die Verarbeitung des Geschehenen steht erst am Anfang." Am Gottesdienst nahmen knapp 400 Opfer, Angehörige und Rettungskräfte teil.

Wir teilen das Unverständnis, das Entsetzen, die Wut, die Machtlosigkeit

"Wir sind heute hier, weil wir nicht vergessen können", sagte der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius. Und auch, "weil wir nicht vergessen wollen. Wir wollen uns an die Opfer erinnern". Die schreckliche Tat habe das Leben in Trier verändert. Man trauere gemeinsam, teile "das Unverständnis und das Entsetzen, die Wut und Machtlosigkeit". Aber Verzweiflung und Hass sollten das weitere Leben nicht bestimmen, sagte er.

Auch die Universität Trier gedachte heute einer, bei der Amokfahrt getöteten Studentin. Um 13:46 Uhr wurde auf dem Forum der Universität bei einer Gedenkminute innegehalten.

Gedenkgottesdienst im Trierer Dom im Anschluss an das Glockenläuten

Der ökumenische Gottesdienst im Trierer Dom begann nach den Gedenkminuten. Die Plätze im Dom wurden überwiegend an Überlebende, Hinterbliebene, Feuerwehrleute, Rettungssanitäter sowie Polizei- und Sondereinsatzkräfte, die beteiligt waren, vergeben. Wegen der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie standen keine weiteren freien Plätze im Dom zur Verfügung.

Neben den Beteiligten der Amokfahrt nahmen auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sowie Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der Stadtvorstand, der Opferbeauftragte des Landes, Mitglieder des Stadtrats und Seelsorgende am Gottesdienst teil.

Requiem in der Konstantin-Basilika am Mittwochabend

Am Mittwochabend, 1. Dezember, wird es zudem in der Konstantin-Basilika ein Requiem geben, das vom Philharmonischen Orchester der Stadt mit der Dommusik gestaltet wird.

Eine spontane Teilnahme am Konzert ist nicht mehr möglich, da der Anmeldeschluss bereits abgelaufen ist. Der Offene-Kanal Trier wird das Konzert allerdings ab 20 Uhr hier live übertragen.

Trierer Weihnachtsmarkt beginnt aus Rücksicht später

Der Trierer Weihnachtsmarkt auf dem Hauptmarkt und vor dem Dom beginnt am Mittwoch später. 

Wegen des Gedenkgottesdienstes am Mittwoch und aus Rücksicht auf das Gedenken öffnet der Weihnachtsmarkt erst um 16:00 Uhr.

Gedenktafel für Betroffene nahe der Porta Nigra errichtet

Am vergangenen Freitag, 26. November, hatte Oberbürgermeister Leibe nahe der Porta Nigra eine Gedenktafel für die Betroffenen der Amokfahrt enthüllt. Dort stellten Triererinnen und Trierer Kerzen auf.

"Die Menschen haben hier einen Ort, um der Opfer zu gedenken", sagte Leibe. Es sei wichtig, dass sie rund um den Jahrestag der Amokfahrt eine Anlaufstelle zum Erinnern und Trauern bekämen. "Betroffen sind die Familien, die Getötete haben. Betroffene sind aber auch die Menschen, die es erlebt, erlitten oder beobachtet haben. Und wir wollen allen diesen Ort widmen."

Amokfahrt forderte sechs Todesopfer

Vor genau einem Jahr, bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 waren fünf Menschen getötet worden. Zudem gab es Dutzende Verletzte und rund 300 Traumatisierte. Im vergangenen Oktober war ein weiterer Mann gestorben, der bei der Tat schwer verletzt worden war.

Der Amokfahrer war mit seinem Wagen durch die Fußgängerzone zwischen der Konstantinstraße und der Christophstraße gerast und hatte gezielt Menschen angefahren. Als mutmaßlicher Täter steht seit Mitte August ein 52-Jähriger vor dem Landgericht Trier. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor.