Er raste bis zum Schluss mit hoher Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone. Das sagte nun auch eine Zeugin vor Gericht zum Amoklauf von Trier aus. Der 51-jährige Angeklagte ist wegen fünffachen Mordes und versuchten Mordes in 18 weiteren Fällen angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, am 1. Dezember 2020 mit seinem Sportwagen mit hohem Tempo durch die Fußgängerzone von Trier gefahren zu sein, um vorsätzlich Menschen zu töten und zu verletzen.

Ein 9 Wochen altes Baby, der Vater und drei Frauen unter den Opfern

Bei der Amokfahrt kamen ein 9 Wochen altes Baby, der Vater und drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren ums Leben. 14 Menschen wurden schwer verletzt, vier von ihnen konnten im letzten Moment dem Auto ausweichen. Viele der Verwundeten kämpften monatelang um ihr Leben. Für viele Angehörige hat sich das Leben komplett verändert.

 

Laut Gericht gibt es 14 Nebenkläger*innen. Sie vertreten die Angehörigen der Opfer oder die Geschädigten selbst. Bis Ende Januar 2022 sind 26 Termine angesetzt.

Handelte er aus einem persönlichen Motiv?

Bei polizeilichen Vernehmungen machte der Angeklagte teilweise widersprüchliche Angaben zum Tathergang. Er behauptete, dass er sich nicht an die Einzelheiten des Geschehens erinnern könne.

Auch habe er noch keine klare Erklärung zu den Motiven der Tat abgegeben. Es wird angenommen, dass der Angeklagte aus persönlichen Gründen gehandelt habe. 

Der Täter habe gewirkt, wie jemand, "der seine Arbeit getan hat"

Der Täter war alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz und war offenbar mit seinen persönlichen Lebensumständen unzufrieden. Nach vorläufiger Einschätzung des Psychiaters litt er an einer Psychose. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stand er zum Tatzeitpunkt unter Alkoholeinfluss. Seine Blutalkoholkonzentration habe 1,12 Promille betragen.

Der 51-jährige Mann wurde kurz nach der Tat festgenommen. Er habe am Auto gestanden und geraucht. Der Vizepräsident der Polizei Trier, Franz-Dieter Ankner sagte: "Er schaute mit einem Grinsen zu den Rettungsdiensten." 

Auch die 61-jährige Zeugin äußerte sich im Prozess zum Tathergang: Er sei aus dem Auto gestiegen und habe gewirkt, wie jemand, "der seine Arbeit getan hat". "Ich habe das Ende der Amokfahrt miterlebt", berichtet die Zeugin als erste Privatperson im Prozess laut dpa. "Die Situation war sehr unheimlich." Überall seien Sirenen zu hören gewesen, aber zunächst sei völlig unklar geblieben, was passiert war.

38 Plätze mit Pollern und Sitzsteinen ausstatten

Damit solche Taten nicht wieder vorkommen, hat der Trierer Stadtrat vor Kurzem beschlossen, die Innenstadt sicherer zu machen. Die Stadt soll in zehn Zonen unterteilt werden, die durch Barrieren voneinander getrennt sind. Eine „Überfahrt“ von einer Zone in die nächste ist dann nicht mehr möglich. Dazu sollen 38 Plätze mit Pollern und Sitzsteinen ausgestattet werden.


Katharina Martin/dpa