• Friedmunt Sonnemann lebt seit drei Jahrzehnten im Wald im Hunsrück
  • Er nimmt auch zeitweise Mitbewohner auf
  • "Es wird ein Umdenken stattfinden", sagt der Lebenskünstler

Seit mehr als drei Jahrzehnten lebt ein Mann im Wald bei Longkamp, im Kreis Bernkastel-Kues. Friedmunt Sonnemann wohnt in einer selbstgebauten Lehmhütte in einem abgelegenen Waldstück im Hunsrück. Mit seinem Ofen heizt er die Hütte auf bis zu 14 Grad, höher als das wäre Verschwendung, findet der Lebenskünstler. 

Friedmunt Sonnemann lebt in selbstgebauter Lehmhütte bei Longkamp 

Friedmunt Sonnemann bekommt aber auch Hilfe auf seinem kleinen Bauernhof, den er "Königsfarm" nennt. Besucher kommen zu ihm, um eine Pause von der Welt zu bekommen, sogar aus Mexiko oder Taiwan und wohnen eine Weile bei ihm.

Angebaut werden auf dem Hof seltene Pflanzen, wie die Mangold-Sorte "Hunsrücker Schnitt" oder die Stangenbohnen "Hunsrücker Weiße" und "Blauhülsige". Diese Pflanzen sind schon so alt, dass sie sonst verschwinden würden. So pflanzt der 56-Jährige diese auf einem rund vier Hektar großen Feld an und lebt von dem Verkauf.

Vor allem wegen des Klimawandels ist das Pflanzen solcher Pflanzen wichtig, da sie auf kargen Böden und bei extremer Witterung gut klarkämen, erklärt er. Aber auch für die Nahrung sorgt er. So baut er auch Zucchini aus Kroatien und Huacatay aus Südamerika an. Diese werden für Suppen, Soßen oder Tee verwendet. 

Einsiedler über Energiekrise: "Das alles tangiert mich nicht" 

Sonnemann und seine Gruppe, die momentan aus acht "Mitstreitern" besteht, kochen und waschen hauptsächlich mit Regenwasser. Getrunken wird allerdings aus einer nahe gelegenen Quelle. "Das Klo ist Trockenkompostierung", erklärt er. Die Lehmhütte hält er mit Holz von eigenen Flächen warm, aber auch von außerhalb. Im Winter zieht man sich warm an, denn auch das Holz sei im Preis gestiegen, sagt er.

Mit seinen temporären Mitbewohnern redet er viel über die Geschehnisse von außen. Sonnemann sieht sich selber auch nicht als Einsiedler oder Aussteiger, er wohne ja mit Leuten zusammen und sei auch nicht aus der Welt ausgestiegen. Er ist ein Lebenskünstler, erklärt er gegenüber der dpa. Ihn treffen natürlich die gestiegenen Strom- und Gaspreise nicht. "Das alles tangiert mich nicht", sagt er. Corona hat der 56-Jährige auch noch nicht bekommen. In den letzten Jahren war Friedmunt Sonnemann nur beim Zahnarzt, ansonsten sei er sein eigener Heiler. 

Der gebürtige Kölner glaubt, dass der Mensch mit weit weniger auskomme, als die meisten denken, doch nicht jeder könne im Wald leben. "So viele Plätze gibt es in Deutschland nicht", erklärt er im Gespräch mit der dpa. "Es wird auf jeden Fall ein Umdenken einsetzen," sagt er über das Leben in den Industrieländern. Er selber möchte nie anders leben: "Mir fehlt es an nichts."

von Birgit Reichert (Text)