• Aufräumexpertin Sabine Nietmann gibt Ordnungstipps im Rhein-Main-Gebiet
  • Marie Kondo ist ihr großes Vorbild
  • Psychologe aus Rheinland-Pfalz warnt vor Selbstoptimierungswahn

Ordnung macht das Leben leichter - davon ist die Aufräumexpertin Sabine Nietmann, die sich von der japanischen Bestseller-Autorin Marie Kondo inspirieren ließ, überzeugt. Ihren Kund*innen gibt sie Ordnungstipps oder hilft beim Ausmisten. In Zeiten von Instagram und Co. warnen Experten aber auch vor einem Selbstoptimierungswahn.

Eigene Erfahrung zum Beruf geworden: Sabine Nietmann gibt als Aufräumexpertin Ordnungstipps

Wenn es darum geht, vollgepackte Schränke, Keller oder Küchen aufzuräumen, ist man bei Sabine Nietmann an der richtigen Adresse. Die 35-Jährige ist Ordnungscoach und hilft, wenn einem das eigene Chaos über den Kopf wächst. "Ordnung kann das Leben in vielerlei Hinsicht erleichtern. Zudem spart man Geld und Ressourcen", sagt sie.

Nietmann hat in Mainz studiert. Zu ihrem Job als Ordnungsexpertin ist sie aus eigener Erfahrung gekommen. Hauptberuflich arbeitet sie als Flugbegleiterin. Dabei habe sie viele Jahre gedankenlos auf der ganzen Welt eingekauft und so viele Dinge in ihrer Wohnung angehäuft.

"Irgendwann habe ich meine Schränke aufgemacht und gedacht, das alles kreiert eigentlich mehr Frust als Freude." Es folge eine radikale Aufräumaktion und ein sehr befreiendes Gefühl, wie sie berichtet: "Dieses Gefühl von Ballast abwerfen möchte ich auch an andere abgeben."

Inspieriert von Marie Kondo: Sabine Nietmann ist im gesamten Rhein-Main-Gebiet unterwegs

Aufräumexpert*innen findet man inzwischen in jeder größeren Stadt. Der Beruf des "Ordnungscoach" ist allerdings nicht gesetzlich geschützt. In ihrem Weg zum Beruf hat Nietmann, nach eigenen Angaben, viel zum Thema gelesen und sich in Teilen von der japanischen Bestseller-Autorin Marie Kondo inspirieren lassen. Kondo gilt als Star der Szene.

Dann habe sie zunächst bei Freund*innen und Familie geübt, wie Aufräumaktionen ablaufen könnten. Inzwischen ist sie gut gebucht und in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet im Einsatz. Ein fünfstündiger Einsatz kostet bei ihr rund 500 Euro. Ihr Kundenstamm bestehe aus ganz unterschiedlichen Menschen, darunter Singles, Familien oder Paaren aus verschiedensten Altersgruppen.

"Jeder hat seine eigene Geschichte, warum es zu dem Chaos gekommen ist." Das Begleiten und Loslassen von Dingen aus der Vergangenheit gehe auch mal sehr tief, "und ich bin immer wieder berührt, wie mich die Leute in ihre Lebensgeschichte reinlassen". Das Aufräumen habe manchmal erstaunliche Auswirkungen auf das Leben. Kund*innen würden nach dem Ordnungsschaffen oftmals auch andere Dinge in ihrem Leben hinterfragen.

"Es gibt drei Schritte: Reduzieren, Sortieren, Optimieren"

Ein Aufräumprozess hat immer einen festen Ablauf, wie Nietmann erklärt: "Es gibt drei Schritte: Reduzieren, Sortieren, Optimieren", erklärt Nietmann. Es gehe darum, systematisch zu reduzieren und jedem Gegenstand seinen festen Platz zu geben. Zunächst einmal müsse aber alles ausgeräumt werden.

"Gerade die Küche ist oftmals ein Friedhof der Dinge, die man gar nicht braucht." Dann stelle man schnell fest, dass man Dinge in dreifacher Ausführung besitzt. Wenn die Schränke leer seien und alles auf einem Haufen liege, sei das ein Punkt, an dem sich viele überfordert fühlten. "Ich bin dann wie ein Personal Trainer, der motiviert, Ziele vorgibt und hilft, das Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen."

Nietmann sei wichtig, dass die ausgemisteten Sachen möglichst weiterverwendet werden. "Alles was irgendwie verwertbar ist, wird weitergegeben", betont sie. Sie habe inzwischen ihre Mutter eingestellt, die ihr dabei hilft, die Spenden zu sortieren und zielgerichtet zu verteilen, beispielsweise an Hilfsorganisationen, Flüchtlingsunterkünfte oder Frauenhäuser.

Experte warnt: Keinem unrealistischen Selbstoptimierungswahn verfallen

"Ich bin ein Freund davon, weniger Dinge zu haben, denn die machen auch weniger Arbeit", sagt Psychologe Gereon Lex aus dem rheinland-pfälzischen Kusel. Es sei ratsam, Geld nicht nur in materielle Dinge zu investieren, sondern in Erlebnisse.

"Grundsätzlich ist es empfehlenswert, regelmäßig auszumisten", so der Experte weiter. Sich von Lasten zu befreien, verschaffe ein gutes Gefühl. "Ein geordnetes Leben und ein geordneter Geist hängen zwangsläufig zusammen." Dabei müsse es nicht nur um das physische sichtbare Aufräumen gehen, sondern etwa auch darum, sich einen Überblick über die eigenen Finanzen zu verschaffen oder Abos zu überprüfen.

Gerade in Zeiten von Social Media und unzähligen Ratgeberbüchern gelte es aufzupassen, nicht in einen Selbstoptimierungswahn zu verfallen, wie Lex betont: "Nicht dass man einer perfekten Instagram-Welt entsprechen will, die nichts mehr mit der eigenen Persönlichkeit zu tun hat." Auch Nietmann strebe keine Perfektion an, stattdessen wolle sie die Leute dazu sensibilisieren, achtsamer zu konsumieren.

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Rebekka Barta mit dpa