Betrachtet man die nackten Zahlen von RB Leipzig seit der Gründung des Vereins im Jahre 2009, so gleichen diese einer echten Erfolgsgeschichte. Bereits sieben Jahre nach der Gründung stiegen die "Roten Bullen" in die 1. Bundesliga auf. Seit 2016 wurden sie zweimal Vizemeister (2017, 2021), standen insgesamt dreimal im DFB-Pokalfinale (2019,2021, 2022) und erreichten international jeweils einmal das Halbfinale der Champions League (2020) und Europa League (2022). Vorläufiger Höhepunkt dieses rasanten Aufstiegs ist der Gewinn des DFB-Pokals im Jahr 2022. 

Obwohl RB Leipzig aus rein sportlicher Sicht eine echte Bereicherung für den deutschen Fußball darstellt und sogar Branchen-Primus FC Bayern München die Leipziger als ernstzunehmende Konkurrenz wahrnimmt, wird der Verein außerhalb von Leipzig sowie von dem überwiegenden Teil der deutschen Fanszene abgelehnt und in Teilen sogar regelrecht gehasst - und das nicht erst seit der Befüllung des DFB-Pokals mit Energy-Drink. Warum ist dieser Verein so unbeliebt? 

RB Leipzig: Ein Abbild des modernen Kommerz-Fußballs

Für manchen Fußballromantiker mag das jetzt hart klingen, aber: Geld regiert längst (auch) den Fußball. Kein einziger Profiklub kommt ohne die Unterstützung eines großen Unternehmens beziehungsweise zahlungskräftiger Sponsoren aus. Traditionalisten unter den Fans befürchten, dass durch zu großen externen Einfluss über Jahre gewachsene Werte und das Gemeinschaftsgefühl zwischen Fans und Verein zersetzt wird. Um das zu verhindern, gibt es im deutsche Fußball die "50+1-Regel", die grob gesagt dafür sorgt, dass Investoren oder Unternehmen nie die komplette Kontrolle über Fußballclubs erlangen können

RB Leipzig ist die verkörperte Aushebelung der "50+1"-Regel. Der Brausekonzern Red Bull aus Fuschl am See musste sich nicht mit viel Geld bei einem anderen Verein einkaufen, um dann nicht einmal die volle Kontrolle über ihn zu haben. Die Firma gründete einfach selbst einen Verein (zur Saison 2009/2010 übernahm RB das Startrecht des SSV Markranstädt in der Oberliga Nordost). Der gemeinschaftsstiftende Gedanke, aus dem Vereine gegründet wurden und werden, wird dabei torpediert, so der Vorwurf. Eine Firma (in dem Fall Red Bull) gründet einen Verein aus kommerziellem Interesse. Allein der offizielle Name des Clubs "RasenBallsport" ist nichts weiter ein juristischer Kniff, denn laut Statuten des DFB dürfen Vereine nicht nach Firmen benannt werden. Die Initialen des Vereinsnamen, "R" und "B" und das Vereinslogo verweisen dennoch klar auf die Verbindung zum Konzern mit den Roten (Red Bull) Bullen im Logo. In anderen Ländern ist die Verbindung der Fußballvereine zum Konzern offensichtlicher. Dazu gehören etwa der FC Red Bull Salzburg in Österreich oder die New York Red Bulls in den USA.

Laut Informationen der Zeitung Zeit kommt kein stimmberechtigtes Mitglied in den Verein RB Leipzig, das nicht von Red Bull selbst bestimmt wurde. Offiziell hat der Verein nur sehr wenige (um die 20) Mitglieder, was nur knapp über den Mindestanforderungen des DFB liegt. Demokratische Strukturen oder Kontrollmechanismen gibt es nicht. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff muss sich nur vor Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz verantworten. De facto wird der Verein über Strohleute vom Energy-Drink-Gigant kontrolliert, was eigentlich nicht möglich sein sollte.

Gängiger Vorwurf: RB Leipzig ist ein Produkt - kein Verein

Spitz formuliert, ist RB Leipzig die Fußball spielende Marketingabteilung der Red Bull GmbH in Deutschland. Der Verein soll das verkörpern, für das das Getränk Red Bull steht. Die bloße Existenz des Vereins basiert auf ökonomischen Interessen, nicht auf Sport oder Gemeinwohl. Dementsprechend ist der Verein für den Mutterkonzern mutmaßlich nur solange interessant, wie er marketingtechnisch relevant ist. Der Club funktioniert nach Firmenlogik und folgt nicht dem sportlichen Wettbewerbsgedanken. 

Wie weiter oben bereits erwähnt, ist RB Leipzig auch nicht der einzige Verein, den der Getränkekonzern auf diese Weise führt. So gibt es Red Bull Salzburg, den sehr erfolgreichen Ableger in Österreich und auch Red Bull New York in den USA. Alle Vereine sind in einem globalen Red Bull-Netzwerk eingebunden und profitieren so voneinander, etwa beim Transfer von Spielern oder Trainern. Bestes Beispiel der jüngsten Vergangenheit, ist der Trainer Jesse Marsch, der bei Red Bull New York anfing und über Salzburg schließlich auf dem Trainerposten in Leipzig landete. Er durchlief quasi einmal den gesamten RB-Kosmos. Solch ein Netzwerk im Hintergrund verwässert ebenfalls den fairen Wettbewerbsgedanken gegenüber anderen Clubs - auch wenn Marschs Zeit bei RB Leipzig nicht sehr erfolgreich war.

Es ist kein Zufall, dass sich Red Bull ausgerechnet in einer Stadt der neuen Bundesländer niedergelassen hat. Leipzig und die Region sind fußballbegeistert und mit RB gibt es endlich wieder einen Club, der diese Begeisterung sportlich repräsentiert. Autor Jan Sägert gibt im Stern.de-Artikel unumwunden zu, dass RasenBallsport Leipzig die Erfüllung einer fast 30 Jahre andauernden Sehnsucht nach sportlichem Erfolg für ihn ist. Dass dieser Erfolg nicht organisch aus der Stadt selbst heraus entstanden ist, sondern künstlich - mit viel Geld aus Österreich -, wird geflissentlich ignoriert.