Im russischen Staatsfernsehen wird zu weiteren Angriffen aufgerufen - diesmal gegen Deutschland. Wladimir Solowjow, Moderator und bekanntermaßen einer der führenden Kreml-Propagandisten, hat nicht zum ersten Mal derartige Drohungen in seiner Sendung auf Rossija-1 geäußert. Diesmal hetzte er vor allem gegen Bundeskanzler Olaf Scholz, am Abend vor dessen Besuch in Kiew.

Solowjow startete seine Sendung mit der Frage, wieso der Konflikt in der Ukraine so eine "verrückte Reaktion" beim Westen auslöse. Kriege würde überall auf der Welt passieren, dieser Konflikt sei global gesehen nicht der größte und "in keinster Weise außergewöhnlich". Bereits hierbei wird deutlich, dass Solowjow der Kreml-Linie treu ist: Im weltweiten Kontext spricht er von Krieg, in Bezug auf die Ukraine nur von einem Konflikt.

Russisches Propaganda-Fernsehen fordert erneut Angriff auf Deutschland

Der Westen plane nun direkt einzugreifen, behauptet Solowjow. Eine Militäraktion sei schon lange in Vorbereitung, "ein alter Plan", stimmt ihm der Journalist Alexander Sosnowski, der in Deutschland lebt, zu. Sosnowski gibt daraufhin eine "Analyse" der Lage und spricht über die vermeintliche Schwäche der Nato-Mitgliedsstaaten. "Jede Armee, die zur Nato zählt, öffnet ihre Lagerhäuser und schickt alles an die Front, was sie hat", sagte Sosnowski.

Solowjow fragte daraufhin, ob sie sehr viel weggegeben haben, sich quasi "nackt ausgezogen" haben. "Ja, zum Beispiel die Bundeswehr", antwortete Sosnowski darauf. Der Kreml-nahe Moderator wird daraufhin zunehmend aggressiver. "Dann würde es also Sinn ergeben, eine zweite Front zu eröffnen und auf Deutschland draufzuhauen, solange sie komplett unbewaffnet sind", forderte Solowjow. "Damit es keine Illusionen bei den Nazis gibt."

Dass Staaten, die sich gegen den Kreml stellen, als nationalsozialistisch bezeichnet werden, ist nicht ungewöhnlich für die russische Propaganda. Dies diente auch als Ausrede, die Ukraine anzugreifen. Solowjow regte sich anschließend über das deutsche Fernsehen auf, wo Nachfahren von Goebbels zu sehen sein sollen. Olaf Scholz verglich er erst kürzlich mit Adolf Hitler - und machte ihn in dieser Sendung erneut zur Zielscheibe.

Kreml-Propagandist Solowjow hetzt gegen Scholz

Er und Sosnowski sind sich sicher, dass Scholz mit seiner Reise nach Kiew einen Plan verfolge. Ein Beweis dafür sei laut Sosnowski, dass der Kanzler zuvor mehrfach bekräftigt hatte, dass er nicht nur für einen Foto-Termin in die Ukraine reisen würde. Nun müsse es also einen Plan geben, den Scholz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den anderen Staatschefs in Kiew besprechen will. Dabei soll es sich um ein drittes Minsker Abkommen handeln, so Sosnowski. In "Minsk II" wurde 2015 eine Waffenruhe für Luhansk und Donezk festgelegt.

"Wir sollen ihnen also naiv glauben?", sagte Solowjow. "Ihnen erlauben, die Ukraine mit noch mehr Waffen zu fluten, wie beim Treffen in Ramstein festgelegt wurde, und sie [die ukrainischen Soldaten] auszubilden?" Der Kreml-Propagandist wirft Scholz vor, Russland hinters Licht führen zu wollen. "Hält uns Scholz für Schwachköpfe? Denken die alle, wir wären Idioten?"

Neben dem vermeintlichen Plan Deutschlands, auf Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zu drängen, gebe es laut Solowjow aber noch einen weiteren Plan. Die Ukraine würde eine "vollkommen neue Allianz" mit den baltischen Staaten, Polen und Großbritannien verfolgen. Da sie Deutschland, Frankreich und Italien "nicht mithineinziehen" können, versuche das Land diese Staaten zum Eingreifen zu bewegen. "Dann wird der Rest der Nato folgen."

Seit Beginn des Ukraine-Krieges wurde im russischen Staatsfernsehen schon öfters zum Schlag gegen Deutschland aufgerufen. Erst kürzlich wetterte Solowjow gegen die deutsche Kulturministerin Claudia Roth, als diese in der Ukraine zu Besuch war. Dabei hatte er ebenfalls zur Invasion Deutschlands augerufen. In einer weiteren Talkshow wurde die Simulation eines Atomschlags auf Berlin gezeigt.