Zum 1. Juli 2022 wird die EEG-Umlage in der Stromrechnung abgeschafft. Für viele Stromkunden stellt sich jetzt vor allem eine Frage: Wird der Strom künftig wirklich günstiger? Und wenn ja, wie groß wird die Ersparnis sein? Hier findest du die Antwort.

Im April hatte der Deutsche Bundestag der Abschaffung der EEG-Umlage über die Stromrechnung zugestimmt. Der parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Oliver Krischer (Grüne), sprach von der größten Strompreisentlastung der letzten Jahrzehnte für die Menschen in Deutschland. Die Ampel-Koalition schaffe den entscheidenden Schritt zur Senkung der Strompreise.

EEG-Umlage zum 1. Juli abgeschafft: Was bringt das?

Mit der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird bislang der Ausbau von Ökostrom-Anlagen finanziert. Sie wird automatisch auf der Stromrechnung ausgewiesen - alle Stromkunden haben sie also bislang gezahlt. Aktuell beträgt die EEG-Umlage 3,72 Cent pro Kilowattstunde, ab 1. Juli sinkt sie auf null. Bereits zu Jahresbeginn war die Umlage mit Hilfe von Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt gesenkt worden. Der bald in Kraft tretende Wegfall ist zunächst temporär gültig. Dauerhaft abgeschafft wird die EEG-Umlage dann zum Januar 2023.

Viele Stromunternehmen teilten mit, dass sie die Entlastung bald an alle Privat- und Geschäftskunden weitergeben. So kündigte etwa der Nürnberger Stromversorger N-Ergie an, den Strompreis zum 1. Juli 2022 um 4,43 Cent (brutto) pro Kilowattstunde senken zu wollen. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von etwa 3.500 kWh könnte so ab Juli 12,93 Euro pro Monat sparen.

Kunden müssten nichts unternehmen. Während Geschäftskunden die Entlastung bereits auf der nächsten Rechnung bemerken würden, ändere sich für Privathaushalte zunächst nichts an den Abschlägen. Die Preissenkung soll verrechnet werden und sich bei der nächsten Jahresrechnung bemerkbar machen.

Experten kritisieren: Ende der EEG-Umlage hilft nur geringfügig

Schon lange vor dem tatsächlichen Ende der EEG-Umlage war Kritik an der Maßnahme lautgeworden. Die Umlage ist ein wesentlicher Bestandteil der Stromrechnung, neben Steuern, Produktionskosten und Netzentgelten. Die Preise, die Stromversorger für den Einkauf von Strom bezahlen müssten, sind in den vergangenen Monaten aber auf nie da gewesene Höhen gestiegen und steigen weiter, wie Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), sagte. "Sie werden auch auf die Energiekosten für Haushaltskunden durchschlagen. Die Abschaffung der EEG-Umlage allein kann das nicht abfedern."

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Auch die CDU-Abgeordnete Anne König sagte, die Abschaffung der Umlage sei ein erster richtiger Schritt, aber weitere müssten zügig folgen. Denn vermutlich werde die Absenkung bei weiteren Preissteigerungen bis Ende des Jahres für die Verbraucher allenfalls ein Nullsummenspiel.

Unter normalen Umständen würde die Absenkung der EEG-Umlage den Strompreis senken, wenn die Preissenkungen an die Verbraucher weitergegeben werden, sagte die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Ein vierköpfiger Haushalt könnte so bis zu 300 Euro im Jahr einsparen. "Allerdings haben sich die Strompreise an der Börse durch steigende Kohle-, Gas- und CO2-Preise erhöht, fossile Energien machen den Strom teuer."

"Nur ein Tropfen auf den heißen Stein": Abschaffung der EEG-Umlage keine echte Entlastung?

Stromunternehmen würden diese Preissteigerung überproportional weitergeben, so dass die Absenkung der EEG-Umlage lediglich zu einer weniger starken Strompreissteigerung führen werde, so Kemfert. Nur ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien wirke strompreissenkend.

Der Wegfall der Umlage mildere den starken Anstieg der Energiekosten nur geringfügig, so Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check24. "Die Abschaffung der EEG-Umlage dämpft den starken Strompreisanstieg in diesem Jahr nur ab", sagte auch Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

DGB-Vorstand Stefan Körzell sprach mit Blick auf die Abschaffung der EEG-Umlage von einer guten Nachricht für mehr Verteilungsgerechtigkeit. "Doch die aktuelle Energiepreiskrise lähmt die wirtschaftliche Entwicklung und befeuert Energiearmut. Für viele ist der Wegfall der Umlage nur ein Tropfen auf den heißen Stein, insbesondere für Geringverdienende." Der DGB fordere für die sozial-ökologische Transformation ein Sondervermögen, damit diese Zukunftsaufgaben und Investitionen solide gegenfinanziert seien.

Verwirrend für Kunden: Zwei Preiserhöhungen für Strom in Folge?

Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, sagte, dass die EEG-Umlage bald nicht mehr gezahlt werden müsse, sei zunächst eine gute Nachricht für Stromkunden. "Richtig ist aber auch: Für die Bürger und Betriebe ist es unterm Strich keine echte Entlastung, weil die Kosten für die Förderung der Erneuerbaren Energien dennoch aufgebracht werden müssen." Künftig würden das die Steuerzahler leisten.

Damit die Absenkung der Umlage von den Energieversorgern an die Verbraucher weitergeben wird, gibt es gesetzliche Vorgaben. Es gehe nicht um eine Erhöhung der "Margen von Stromlieferanten", heißt es im Gesetzentwurf. BDEW-Chefin Kerstin Andreae sagte, die Absenkung würde im Rahmen einer Neukalkulation der Preise durch die Unternehmen so oder so berücksichtigt. Die Pflicht zur Weitergabe der Absenkung werde daher als unkritisch bewertet.

Das Verbot, die Preissenkung direkt zum 1. Juli mit gestiegenen Beschaffungskosten gegenzurechnen, führe jedoch zu Mehraufwand, wenn Unternehmen sowieso eine Preisänderung auf Grund der drastisch gestiegenen Beschaffungskosten durchführen müssten. "Auch für Kunden wird es eher verwirrend sein, falls dadurch in kurzer Folge zweimal der Preis für Strom geändert wird."

Abschaffung der EEG-Umlage Teil eines Maßnahmenpakets

Die Abschaffung der EEG-Umlage ist Teil der Entlastungspakete, mit denen die Bundesregierung die Haushalte angesichts rasant gestiegener Energiepreise finanziell entlasten will. Darin enthalten ist unter anderem auch eine Energiepreispauschale und ein Bonus für Leistungsempfänger.

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nannte die Absenkung der Umlage auf null in der "aktuellen Hochpreisphase" eine wichtige und dringliche Entlastung für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für viele Gewerbekunden. Als Ersatz für die wegfallende EEG-Umlage will Habeck künftig den Bau von Photovoltaik-Anlagen stärker fördern. Finanzminister Christian Lindner (FDP) schrieb auf Twitter, die "breite Mitte" des Landes werde um 6,6 Milliarden entlastet.

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mit dpa