Eine Frau ist nachts in der Stadt unterwegs. Plötzlich hört sie erst Pfiffe und dann einen Ruf aus der Ferne: "Geiler Arsch!" Allein im Dunkeln unterwegs zu sein, ist für die meisten Frauen schon unheimlich. Wenn dann noch Catcalls dazukommen, gibt es kein Gefühl mehr der Sicherheit. Im Gegenteil. Die Angst wird dann zum Begleiter einer jeden Frau. Und Ausreden von Männern wie "Dann sollen sie sich nicht so heiß anziehen!", sind in solchen Fällen das Allerletzte. Niemand muss sich in die Opferrolle drängen lassen. Jede Frau sollte anziehen dürfen, was sie will, ohne sexualisiert zu werden. 

Theoretisch könnten Belästigungen zur Anzeige gebracht werden, wenn sie zum Beispiel dem Straftatbestand sexueller Belästigung oder der Nachstellung entsprechen. Ein Pfiff oder "geiler Arsch" fallen größtenteils aber nicht darunter. Was tun? Viele Möglichkeiten haben wir Frauen dann nicht. Doch das ist nicht das erste Beispiel, bei dem eine Form der sexuellen Belästigung keine Straftat ist. Upskirting - unter den Rock fotografieren - und Downblousing - in den Ausschnitt fotografieren - waren bislang auch keine strafrechtlich relevanten Taten. Erst seit 1. Januar 2022 können sie zur Anzeige gebracht werden. Auch hier war eine Initiative notwendig, die eine Petition startete. 

Niemand muss sich mit Catcalling abfinden

Bislang mussten sich Frauen damit abfinden. Dabei liegt jedoch die Frage nah: Warum tun Menschen sowas? Was ist so toll daran, einer Frau nachzupfeifen? Ihr unter den Rock zu fotografieren? Sicherlich werden Frauen bis heute von vielen Männern alltäglich sexualisiert. Aber wir sind keine Höhlenmenschen mehr. Eigentlich sollten wir zivilisiert genug sein, um zu verstehen, dass derart widerliche Taten traumatisierend sein können für die Opfer.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, sicher fühlt man sich danach nicht mehr. Ich habe lange gebraucht, bis ich wieder abends allein mit der Bahn fahren konnte, ohne Angst zu haben. Es war kein Kompliment für mich, dass der Fremde mich gebeten hat, dass ich mich zu ihm setze - in einem völlig leeren Abschnitt des Zuges. Es war auch kein Kompliment, als er mir nachgelaufen ist, weil ich mich von ihm entfernen wollte. Zum Glück ließ er ab, als ich mich in die Nähe mehrerer anderer Damen setzte. Doch diese Situation ging mir noch lange nach. 

Letztlich bleibt die Hoffnung, dass auch Catcalling irgendwann zum Straftatbestand wird. Die Initiativen gegen Upskirting und Downblousing hatten schließlich auch Erfolg. Vielleicht erwirken auch irgendwann die "catcallsof"-Gruppen in deutschen Städten wie Trier einen ähnlichen Durchbruch. Ich würde es ihnen sehr wünschen.