Über 92.000 Neuinfektionen in 24 Stunden: Diese Zahl klingt dramatisch. Die Corona-Inzidenz erreicht derzeit täglich einen neuen, nie dagewesenen Rekord-Wert. Trotzdem ist die Rate der Hospitalisierungen verhältnismäßig niedrig. Das liegt vor allem an der mittlerweile vorherrschenden Omikron-Variante. Wir sind in der 5. Welle angekommen: 70 Prozent der aktuellen Neuinfektionen gehen auf die neueste Virusvariante zurück. 

Die Omikron-Mutation verbreitet sich zwar schneller, als alle Varianten zuvor, führt in den meisten Fällen aber auch zu einem milderen Verlauf. Trotzdem: Experten warnen davor zu leichtsinnig zu werden. Für eine Durchseuchung ist in Deutschland die Impflücke zu groß. Aber wie geht es weiter in der Pandemie? Steht uns dank Omikron eine endemische Lage zum Ende des Jahres bevor? Oder wird alles noch viel schlimmer. Hier findest du die Meinung zur aktuellen Corona-Lage von sechs deutschen Top-Virologen.

Christian Drosten ist verhalten optimistisch: "Endemische Situation zum Ende des Jahres"

Virologe Christian Drosten zeigt sich im Hinblick auf die Omikron-Variante verhalten optimistisch. Trotz der rasant steigenden Infektionszahlen rechnet der Experte zum Ende des Jahres mit einem endemischen Zustand in Deutschland. Trotzdem mahnt er zur Vorsicht. "Im Moment gibt es keinen Grund zur Entwarnung", betonte er bei der Bundespressekonferenz am Freitag (14. Januar 2022). Die Impflücke in Deutschland sei gerade bei der vulnerablen Gruppe der über 60-Jährigen zu groß. "Für eine Durchseuchung ist es deshalb zu früh." 

Der sicherste Weg hin zu einem Ende der Pandemie ist laut Drosten die Impfung. Nur wer sich impfen lässt, ist auch vor künftigen Virusvarianten geschützt. Denn es wird weitere Varianten geben. Wie die Grippe, so wir auch das Coronavirus bleiben. Nach der Omikron-Variante könnte laut Drosten sehr wahrscheinlich wieder eine Mutation des Delta-Typs folgen. "Dann sind nur die Menschen geschützt, die sich jetzt impfen lassen." 

Für diejenigen, die noch immer die Wirkung einer Impfung anzweifeln hat der Virologe derweil kein Verständnis mehr: "Das ist Ignoranz."

Melanie Brinkmann sieht noch keine Wende: "Wir in Deutschland sind wirklich noch weit davon entfernt"

Die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig zeigte sich zuletzt weniger optimistisch, was die Entwicklung der Pandemie betrifft. In der Talkshow von Maybrit Illner am Donnerstagabend (13. Januar 2022) stellte sie klar, dass auch die Geimpften derzeit das Infektionsgeschehen vorantreiben. Allein der Booster "hilft nochmal sehr" bei der Omikron-Variante. Mit Blick auf die hohen Infektionszahlen sagte sie: "Bei der Infektionsdynamik ist die Impfung leider egal."

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Vor dem Vergleich des Coronavirus mit einer Grippe warnt die Virologin ganz deutlich: "Covid-19 ist keine Grippe, es ist eine wirklich schwere Krankheit", betonte sie. Auch vor einer natürlichen Immunisierung durch eine Infektion warnt die Expertin. Vor allem für Ungeimpfte sei das mehr als gefährlich. "Die Natur ist grausam", stellte sie klar. Auch die Pocken-Infektionen habe man im 18. Jahrhundert erst durch eine Impfung unter Kontrolle bringen können. 

Auf die Frage nach dem Pandemie-Ende vertritt Brinkmann eine klare Meinung: „Es gibt noch ganz ganz viele Fragezeichen. Und deshalb würde ich auch diese Tür, von der wir schon gesprochen haben, wirklich sehr langsam öffnen. Und gerade wir in Deutschland sind wirklich noch weit davon entfernt – im Vergleich zu Spanien.“

Hendrik Streeck ist zuversichtlich: Virologe erwartet "entspannten Sommer"

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck gab sich zuversichtlich, dass die Omikron-Welle Deutschland nicht so heftig treffen wird wie andere Länder. In der Sendung "RTL Direkt" sagte Streeck: "Deutschland hat Glück, dass die anderen Länder uns voraus sind. Wir können sehen, was dort passiert - und uns darauf einstellen."  Mit warmen Wetter im Frühjahr werden die Zahlen der Omikron-Infektionen wieder zurückgehen, deshalb erwartet der Virologe "einen entspannten Sommer".

Trotzdem warnt der Virologe auch deutlich davor zu leichtsinnig zu werden. Vor dem vergangenen Bund-Länder-Treffen am Freitag (7. Januar 2022) äußerte sich Streeck in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz zur Omikron-Welle.

Er sagte zwar, dass die neue Variante zu weniger schweren Verläufen führen würde, aber warnt davor, dass die Normalstationen in den Krankenhäusern überlastet werden könnten. "Wir müssen uns auf einen Anstieg vorbereiten", sagt er und betont, wie wichtig die Booster-Impfung ist.

Klaus Stöhr sieht Ende der Pandemie kommen: "Omikron weist in diese Richtung"

Virologe Klaus Stöhr, ehemaliger Leiter des Globalen Influenza-Programms für die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sieht das Ende der Pandemie auf uns zukommen. Der Experte erwartet auch keine Überlastung der Krankenhäuser. Als Grund dafür nennt er die vielen asymptomatischen und milden Verläufe. Zuletzt meinte er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk RND sogar, er halte eine Kontaktnachverfolgung in Deutschland mittlerweile für "sinnlos". 

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Aber auch er ruft zur Impfung auf: "Der beste Weg aus der Pandemie wäre: sich erst impfen lassen und sich dann infizieren." Im "Paket" werde es dann einen lang anhaltenden Immunschutz geben. So oder so ist der Virologe aber optimistisch und sieht das Ende der Corona-Pandemie kommen. So vermehre sich die Omikron-Variante nicht mehr im tiefen Lungenbereich sondern vor allem im Nasen- und Rachenraum, zudem habe sich die Inkubationszeit verkürzt.

Unter diesen Bedingungen Corona-Maßnahmen zu verschärfen, könne er nicht nachvollziehen. Es sei zwar richtig, weiterhin Kontakte zu reduzieren und die Quarantänezeiten zu verkürzen, aber für die Einführung einer 2G-Plus-Regel - beispielsweise in der Gastronomie in den meisten Bundesländern - hat er kein Verständnis. 

Alexander Kekulé ist sicher: Einen angepassten Impfstoff gegen Omikron brauchen wir nicht 

Der Virologe Alexander Kekulé ist sicher Omikron "wird jetzt eben durchrauschen". Das sagte er im Podcast "Corona-Kompass" im NDR. Die Welle sei so schnell gekommen und breite sich nun so rasant aus, dass wir laut Kekulé praktisch wehrlos dagegen sind. Das Positive sei, dass die Virusvariante nachweislich wesentlich mildere Verläufe mit sich bringe. Er ist sich sicher: "Wer Omikron hatte, braucht sich dagegen nicht impfen lassen." Diese Aussagen bezieht er aber ausdrücklich nur auf einen angepassten Omikron-Impfstoff. Eine Corona-Impfung hält er dennoch für wichtig.

Als die ersten Fälle der Omikron-Mutation aufgetaucht sind, habe man allerdings noch nicht wissen können, dass ein spezieller Impfstoff nicht unbedingt nötig sei. Kekulé zeigt sich aufgrund der milderen Verläufe ebenfalls optimistisch für die Zukunft, stellt aber keine eindeutige Prognose auf. 

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