Die Bundesregierung bereitet eine weitere Waffenlieferung für die von Russland angegriffene Ukraine vor. Aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums wurde am Donnerstag (3. März 2022) erklärt, das Ressort habe eine Abgabe von 2700 Flugabwehrraketen des Typs "Strela" genehmigt. Mit der Lieferung müsse sich noch der Bundessicherheitsrat befassen. Bei den Raketen handelt es sich um Waffen sowjetischer Produktion aus ehemaligen Beständen der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR.

Nach Berichten des "Spiegel" ist der Zustand der Waffen aus Sowjetzeiten allerdings fragwürdig. Fast ein Drittel der Raketen der geplanten Lieferung sei nicht mehr einsatzbereit. Die Waffen seien zudem mindestens 35 Jahre alt, im Jahr 2012 seien sie eigentlich für die Nutzung gesperrt worden. Grund dafür seien "Mikrorisse im Treibsatz Munition, die zu Korrosion/Oxidation führen".

DDR-Raketen noch einsatzbereit? Bedenken zu neuer Waffenlieferung an die Ukraine

Auch die Lagerung war offenbar nicht optimal, wie der "Spiegel" berichtet: Die Holzkisten seien bereits im November so verschimmelt gewesen, dass Bundeswehrsoldaten das Lager nur mit Schutzausrüstung betreten durften.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck wurde am Donnerstag auf die Hinweise, die Waffen könnten teils schon defekt sein oder feine Risse aufweisen, angesprochen. "Wie wirksam bestimmtes militärisches Material ist, entzieht sich meiner Kenntnis", so der Grünen-Politiker. Er sei in dieser Frage "wirklich kein Fachmann". Im Verteidigungsministerium lief nach dpa-Informationen seit Tagen eine Prüfung, ob und welche weiteren Waffen an die Ukraine abgegeben werden können.

Am Samstag hatte die Bundesregierung entschieden, 1000 Panzerabwehrwaffen sowie 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ "Stinger" aus Bundeswehrbeständen so schnell wie möglich in die Ukraine zu liefern. Aus Kreisen der Bundesregierung war am Mittwoch erklärt worden, die "Stinger" sowie Panzerfäuste seien an die Ukraine übergeben worden. Außerdem wurde den Nato-Partnern Niederlande und Estland die Lieferung von Waffen an die Ukraine genehmigt. Diese stammen aus deutscher Produktion oder DDR-Beständen.

mit dpa