Greenwashing ist schon lange kein neues Konzept mehr. Besonders Klamottenläden setzen vermehrt auf Klima-Label, die schnell in die Irre führen können. Doch auch der Discounter Aldi erhält vermehrt schwere Vorwürfe wegen Greenwashing. 

In der Kritik steht die Landmilch der Aldi Eigenmarke Fair&Gut, die angeblich klimaneutral sein soll. Recherchen von ZDF und Foodwatch haben allerdings ergeben, dass der Discounter bei der Herstellung keine wirklichen Maßnahmen zum Klimaschutz und zur CO2-Reduzierung durchführt. Der Partner für die Klimaschutzprojekte des Discounters, "ClimatePartner" hat jetzt zu den Vorwürfen gegen Aldi Stellung bezogen. In einem umfassenden "Faktencheck" sollen die Vorwürfe durch "Daten und Quellen über die Klimaschutzprojekte in Guanaré und Kumasi" widerlegt werden. Aber der Reihe nach: 

"Ablasshandel" statt Klimaschutz: So täuscht Aldi seine Kundschaft

Um das oben genannte Label für die Milch verwenden zu können, unterstützt das Unternehmen den Recherchen zufolge lediglich Projekte, die zur Kompensierung des Treibhausgasausstoßes beitragen sollen. Hier sind allerdings auch ein paar Aktionen dabei, die als sehr kritisch gelten.

Zum einen wird ein Projekt unterstützt, das die Monokultur von Eukalyptus in Uruguay fördert, in der unter anderem die Pestizide Glyphosat und Fipronil verwendet wird. Außerdem wird ein umstrittenes Projekt in Peru unterstützt, das Recherchen von Foodwatch aus dem Jahr 2021 zufolge, die geforderten Ansprüche eines Kompensationsprojektes gar nicht erfüllt.

"Statt den Treibhausgasausstoß vor Ort auf dem Bauernhof so weit wie möglich zu reduzieren, betreibt Aldi billigen Ablasshandel. Der Discounter setzt zum Ausgleich der Emissionen auf Eukalyptus-Monokulturen, in denen mit dem Ackergift Glyphosat Artenvielfalt zerstört wird. Verbraucher*innen, die der Umwelt mit dem Kauf der Milch etwas Gutes tun möchten, werden dreist getäuscht", kritisiert Manuel Wieman von Foodwatch.

Industrielle Forstwirtschaft statt Klimakompensation

Da die Vermarktung von Milch als klimaneutrales Produkt wegen der tierischen Herkunft ohnehin umstritten ist, ist das Label des Discounters von vornherein fragwürdig. Nach Angaben des Unternehmens wurden allerdings alle 55.000 Tonnen CO2, die durch die Milchproduktion des kritisierten Produkts jedoch durch die unterschiedlichen Klimaschutzprojekte kompensiert.

Während Foodwatch die Eukalyptus-Monokulturen in Uruguay anprangert, hat das ZDF einen weiteren Kritikpunkt aufgetan. Das Format "ZDF frontal" hat sich ein Aufforstungsprojekt in Uruguay genauer angesehen, das Aldi unterstützt: Hinter der vermeintlich klimaschützenden Kampagne steckt eine industrielle Forstwirtschaft, stellten die Journalist*innen vor Ort fest.

Denn ein südamerikanisches Holzunternehmen fällt die Bäume und verkauft diese hauptsächlich an Abnehmer in China und Indien. Dort werden die Bäume vor allem zur Papierherstellung verwendet, was im Gegensatz zur Möbelproduktion so gut wie kein CO2 bindet.

Klimaprojekt in Uruguay: Emissionen könnten schlimmer sein als zuvor

"Das Problem mit Produkten wie Zellulose ist, dass sie einen sehr kurzen Lebenszyklus haben. Manche werden verbrannt oder enden auf der Mülldeponie. Das ist die schlechteste Variante, denn dann entsteht Methan, das ist noch schädlicher als CO2. Die Emissionen können am Ende sogar schlimmer als besser werden", berichtet der Experte für Klimakompensationsprojekte, Simon Counsell.

"Das Ziel des Aufforstungsprojektes in Uruguay ist die nachhaltige Holzproduktion (...) Dabei werden ausschließlich qualitative hochwertige Holzstämme produziert und kein Zellstoff", äußert sich Aldi, nachdem das Unternehmen mit den Vorwürfen des ZDF konfrontiert wurde.

Mitarbeiter des Projekts widersprechen allerdings. Und auch der Chef des Unternehmens in Uruguay bestätigt die Vorwürfe, dass die Bäume zur Zellulose-Produktion verwendet werden.

Irreführende Werbung bei Aldi: Wettbewerbszentrale verklagte den Discounter

Bereits vergangenes Jahr war der Discounter in Kritik geraten, unter anderem da sich das Unternehmen zum "erster klimaneutraler Lebensmitteleinzelhändler" gekürt hatte. Auch hier war die irreführende Werbung der ausschlaggebende Punkt. Im Zuge dessen wurde Aldi von der Wettbewerbszentrale verklagt.

Um Werbung zu Klima- und Umweltversprechen besser zu regulieren, hat die Europäische Kommission im März einen Entwurf präsentiert. Wenn der Vorschlag umgesetzt wird, müssen Unternehmen in Zukunft bestimmte Kriterien und Anforderungen bei der Klima-Werbung erfüllen.

Um den CO2-Ausstoß zu mindern, sollte nicht auf Kompensation gesetzt werden, sondern die Emissionen vor Ort sollten reduziert werden, meint Manuel Wiemann. Viele Verbraucher*Innen tun dies schon, denn es wird immer mehr auf pflanzliche Alternativen zu Milch- und Fleischprodukten gesetzt. Auch Menschen, die keiner strikt veganen oder pflanzlichen Ernährung folgen, greifen immer mehr auf klimafreundliche Alternativen zurück.

"ClimatePartner" veröffentlicht umfassenden "Faktencheck": Vorwürfe gegen Aldi sollen widerlegt werden

"Es ist uns sehr wichtig, die fehlerhaften Aussagen und Annahmen von foodwatch nicht unerwidert stehen zu lassen", schreibt Dieter Niewierra von ClimatePartner - dem Unternehmen, das mit dem Discounter Aldi als "verantwortlicher Partner für die Klimaschutzprojekte" zusammenarbeitet, nachdem die aktuellen Vorwürfe laut wurden.

Um die Vorwürfe zu widerlegen, hat das Unternehmen einen umfassenden Faktencheck veröffentlicht, der sich mit den Klimaschutzprojekten von Aldi in Guanaré (Uruguay) und Kumasi (Ghana) auseinandersetzt. Demnach erfülle das  Aufforstungsprojekt in Guanaré (Uruguay) "den international anerkannten VCS Standard sowie zusätzlich den FSC-Standard für nachhaltige Waldbewirtschaftung" heißt es in der Aufarbeitung. Im Bezug auf den Eukalyptus-Vorwurf schreibt das Unternehmen: "Eukalyptus ist sehr effizient in der Aufnahme von CO2 und der Produktion von Sauerstoff, da diese Pflanzen eine höhere Wachstumskapazität und dichte Holzeigenschaften haben. Zudem eignet er sich für die im Projekt vorgesehene nachhaltige Holzproduktion."

Das Kochofen-Projekt in Kumasi (Ghana) sei im "international anerkannten Gold Standard" registriert. "Das Projekt hat zum Ziel, erschwingliche und effiziente Kochöfen zur Verfügung zu stellen. Diese dienen als Ersatz für die bisherigen, traditionellen Kochöfen, bei denen erneuerbare Biomasse (v.a. Holz) verbrannt wird", heißt es im Faktencheck. Das Projekt werde einem strengen Monitoring unterzogen und alle Schritte seien genau nachvollziehbar. Beide Projekte werden in der Aufarbeitung auf der Website von ClimatePartner detailiert aufgeschlüsselt: Hier ist der gesamte Faktencheck nachzulesen.