Der Sommer 2022 wird als einer der heißesten und trockensten in die Geschichte eingehen - wie schon die Sommer der letzten Jahre in besorgniserregender Regelmäßigkeit. Doch nach der Hitzekatastrophe, die europaweit zu Wassermangel, Waldbränden und tausenden Hitzetoten geführt hat, droht im Herbst schon die nächste Katastrophe. Meteorologen warnen schon jetzt: Der Herbst könnte vielerorts schwere Stürme mit sich bringen. 

Den Mechanismus erklärt Meteorologe und Filmemacher Marco Kaschuba gegenüber wetteronline.de. Demnach steigen durch die hohen Lufttemperaturen auch die Wassertemperaturen massiv an. Besonders das Mittelmeer sei viel zu warm, so Kaschuba. Bei Proben lag die Wassertemperaturen jenseits der 30 Grad - und damit mehrere Grad über der langjährigen Durchschnittstemperatur im August. Das mag für die vielen Badegäste angenehm sein - für das Wetter wird das heiße Meer jedoch zur tickenden Zeitbombe.

Energie- und wasserreiche Luftmassen - ein gefährlicher Cocktail

Denn im Herbst kühlt sich das Land schneller ab als das Meer. An den Küsten treffen dann kühlere Kontinentalluft auf wärmere Luftmassen von Meeresseite. Stürme entstehen, wenn diese unterschiedliche warmen Luftströmungen aufeinander treffen. Ein Sturm ist insofern der "Versuch" der Erde, Temperatur- und damit Druckunterschiede mittels Luftbewegungen auszugleichen.

Nun sind Herbststürme also grundsätzlich völlig normal. Doch die Wucht dieser Stürme könnte massiv zunehmen, warnt Kaschuba. Verantwortlich dafür ist die Energie, die in den Luftmassen steckt. Diese Energie ist umso höher, je höher die Temperatur der Luft ist. Außerdem kann heißere Luft mehr Wasser tragen. Das macht die Luft dann nicht nur schwül und drückend - es macht sie vor allem auch gefährlicher. Denn das in der Luft enthaltende Wasser muss irgendwann auch wieder zu Boden fallen - Unwetter mit Niederschlägen sind die Folge. Und auch hier gilt: Je wärmer Luft und Wasser, desto wahrscheinlicher werden Starkregen und Überschwemmungen.

Besonders dramatisch könnte dieser Effekt in der Mittelmeerregion werden. Denn das Mittelmeer ist eines der sich am schnellsten erwärmenden Meere der Erde: Schon in diesem Sommer wurden hier Temperaturen gemessen, die man sonst nur aus der Karibik in Äquatornähe kennt. Stürme gehören im Herbst an der Mittelmeerküste zur Normalität - doch dieses Jahr könnten sie deutlich schlimmer werden, befürchtet Kaschuba.

Auch Deutschland bedroht? Hohe Temperaturen in Ost- und Nordsee

Es wäre jedoch ein Irrglaube, dieses Phänomen nur als Problem der Mittelmeeranrainer zu verstehen. Denn die Wassertemperaturen steigen auch andernorts - beispielsweise in der Ost- und Nordsee. Die Ostsee erwärmt sich beispielsweise nur selten über 20 Grad, doch diese Marke wurde in den letzten Jahren immer häufiger deutlich geknackt. Derzeit liegen die Wassertemperaturen an der deutschen Ostsee vielerorts deutlich über 20 Grad. Auch an deutschen Küsten könnten schwere Stürme also häufiger werden.

Langfristige Prognosen sind aufgrund der Komplexität des Wetters äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Ob Europa und Deutschland also wirklich ein "Sturm-Herbst" bevorsteht, lässt sich derzeit noch nicht seriös vorhersagen. Sicher ist hingegen, dass schwere Unwetter im Herbst dank des Klimawandels wahrscheinlicher werden. Ob sich dies auch in diesem Jahr zeigen wird, hängt jedoch stark von weiteren Faktoren ab, vor allem den Luftströmungen über Kontinentaleuropa und dem Atlantik.